Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Das Große Beben von Basel im Jahr 1356

Das Erdbeben von 1356. Holzschnitt aus der Cosmographia des Sebastian Münster, 1588.

Am 18. Oktober 1356, dem Lucetag Evangelisten, ereignete sich in der Stadt Basel das bis dahin stärkste je gemessene Erdbeben nördlich der Alpen. Das Beben, dessen Epizentrum unmittelbar südlich der Stadt lag, fand in 15 Kilometer Tiefe statt und hatte einen sog. Schütterradius von 400 Kilometern. Die maximal gefühlte Intensität betrug den Wert 10 auf der bis 12 reichenden Mercalliskala. Ein Erdstoß solcher Stärke zieht den Einsturz von zahlreichen Bauten und die Bildung von Bodenspalten bis zu einem Meter Breite nach sich.(1)
Die Erschütterung war so stark, dass im 71 Kilometer (Luftlinie) entfernten Bern die Gewölbe der lütkilchen [St. Vinzenskirche] und der Wendelstein [einstürzten]; ouch spieltent [spalteten sich] vil muren an den hüsern. Im 10 Kilometer entfernten Liestal wurden Gebäude beschädigt.(2) Das Beben machte sich in einem Gebiet von rund 500.000 Quadratkilometern bemerkbar. Die Ursache des Baseler Bebens war eine Scherbewegung der nach Norden driftenden afrikanischen und der europäischen Kontinentalplatte, ein Prozess, der auch für die Entstehung der Alpen verantwortlich ist. Die über Jahrzehnte in der Erdkruste aufgestaute Spannung löste sich schlagartig, als sich die beiden Schollen ruckartig entlang der Bruchzone verschoben.

Zahlreiche mittelalterliche Chroniken berichten von dem "Großen Beben". Die Berichte setzen unmittelbar nach der Naturkatastrophe ein, aber noch 200 Jahre später teilen Chronisten Einzelheiten zu dem Jahrhundertbeben mit.(3) Da die Geschichtsschreiber unterschiedliche Quellen benutzten, verwundert es nicht, dass sich die Beschreibungen teilweise widersprechen, Ereignisse farbig ausgestaltet oder übertrieben werden.(4) Im Folgenden soll deshalb versucht werden, die Ereignisse jenes Unglückstages in der Stadt Basel nachzuzeichnen und die Schäden, welche Vorbeben, Hauptbeben und die zahlreichen Nachbeben in der Stadt und im Umland angerichtet haben, zu beschreiben.

Dienstag 16 Uhr

Ohne jede spürbare Vorwarnung erschütterte am Dienstag, dem 18. Oktober 1356 gegen 16 Uhr ein erstes Beben die Stadt. Der Chronist Heinrich von Deissenhofen berichtet von vier weiteren Erdstößen, die während des Vesperläutens, gegen 17 Uhr, den Boden erzittern ließen.(5) Dann brach um 22 Uhr das Hauptbeben über die Stadt. Die Überlieferung spricht von einer fürchterlichen Erschütterung, die die Glocke der Predigerkirche zum Läuten brachte.(5)

Die ersten Häuser stürzten ein. Das Dach des Münsters brach im Bereich des Chors in sich zusammen. Die herabfallenden Trümmer zerstörten den Fronaltar, die Orgel und die Bilder im Kirchenschiff.(7) Auch der Turm, in dem eine köstliche glock hing, erlitt schweren Schaden. Ein erschröckenlich praßlen und weeklagen erfasste die ganze Stadt. Zerstörung allenthalben: Die statt […] under der Burg gelägen, die Freystatt oder gaß hernach geheissen, von dem grab Basilii, […] jetz die pruck, biß uff den Bühel do jetzt Eschamer thor, füel zwischen den bergen S. Lienharts und S. Peters unnd zwüschen Burg ein. Jeder, so berichtet Wolffhardt weiter, wollte über die Birseck fliehen und Zuflucht vor dem St. Peterstift suchen, wo ein schöner blatz, der [1277] mit schönen Linden gepflanzt ward, Schutz versprach. Viele Menschen kamen aber bei dem Versuch, den sicheren Petersplatz zu erreichen, durch herabstürzende Trümmer um. Der Ritter Werner von Bärenfels flüchtete vom Fischmarkt und wurde, als er auf die Brücke bei St. Peter kam, von einer von der alten Stadtmauer herabfallenden Zinne erschlagen.

"Was nicht einsincket, zerspielte, und ward presthafft"

Wernher Schodoler berichtet, das Beben habe vor allem die hoch gebauten und die gemauerten Häuser zu Fall gebracht. Keineswegs stürzten nur Häuser mit schlechter Bausubstanz ein, sondern auch Festungsbauten, Türme und Kirchen hielten den Erdstößen nicht stand. Was nicht wie ein Kartenhaus zusammenfiel, wurde von Mauerrissen durchzogen oder gar baufällig (Was nicht einsincket, zerspielte, und ward presthafft). Besser als die Steinhäuser scheinen die Fachwerkhäuser den seismischen Schwingungen standgehalten zu haben. Die "Kleinen Basler Annalen" vermelden, dass nur die Obergeschosse der Fachwerkhäuser in die schmalen Gassen gestürzt seien, während die Erdgeschosse meist stehen geblieben wären. Viele Häuser entlang der Birs fielen in das Flussbett. Die Trümmer verstopften den Wasserlauf und lösten eine Überschwemmung aus.
Die Zerstörungen scheinen zwar nicht die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt zu haben, sie waren aber wohl beträchtlich. Im "Rothen Buch der Stadt Basel" heißt es 1357, die Stadt sei verfallen, verbrannt und um alle ihre Bücher und Urkunden gebracht worden. Die Gebäude seien vom Erdbeben zer störet und zer brochen worden. Keine Kirche, kein Turm und kein Steinhaus, weder in der Stadt noch im Vorfeld (noch in den vorstetten), seien verschont geblieben. Auch die Stadtmauer (der burggrabe) sei an vielen Stellen eingefallen.(8) Aeneas Silvius schreibt, keine 100 Häuser seien in der Stadt aufrecht stehen geblieben (ut ne centum ex tanta ruina superfuerint aedes).

Fritsche Closener und Jakob Twinger von Königshofen berichten von vielen beschädigten Klöstern. Nahe des St. Albanklosters, so teilt dies der zeitgenössische Chronist Heinrich von Deissenhofen mit, brach offenbar am späten Nachmittag nach zwei weiteren, schwächeren Erdstößen, ein Brand aus. Rasch breitete er sich über die schindelgedeckten Holzhäuser aus. Bis zum Abend hatte das Flammenmeer die ganze Stadt erfasst und bereits jetzt verheerende Schäden angerichtet. Die Feuersbrunst soll acht Tage gewütet haben und nicht zu löschen gewesen sein.(9) Was das Hauptbeben und die zahlreichen Nachbeben innerhalb der Stadtmauern stehen gelassen hatten, wurde jetzt ein Raub der Flammen.
Die Menschen flohen wegen der vielen Nachbeben aus der Stadt. Bis Mitternacht ereigneten sich fünf weitere Erdstöße, denen während der Nacht fünf andere Beben und zwischen Mittags- und Vesperzeit des nächsten Tages noch einmal zwei Erschütterungen folgten. Die Baseler brachten sich auf dem freien Feld vor der Stadtmauer in Sicherheit und errichteten Zelte als Notunterkünfte. Da die Stadt in aller Eile verlassen worden war, fehlte es bald am Nötigsten. Vor allem Lebensmittel gingen schnell zu Neige.(10) Die brennende Stadt konnte nur unter Lebensgefahr betreten werden; So war man auf die umwohnende Landbevölkerung angewiesen, die mit Speiß und Tranck aushelfen konnte.

Mittelalterliche Hilfsbereitschaft

Doch nicht nur die Nachbarn zeigten sich solidarisch. Eine Welle der Hilfsbereitschaft überschwemmte die leidgeprüfte Stadt. Die Städte Strassburg, Freiburg im Breisgau, Colmar, Mülhausen, Schlettstadt, Neuenburg und Rheinfelden schickten Helfer, Karren, Pferde und Ausrüstungsgegenstände (allerhand notturft) um beim Räumen der Gassen und beim Neuaufbau der Häuser zu helfen. Andere Städte schickten zumindest Abgesandte, die Hilfsgelder zur Verfügung stellten (sie mit ehrlichen Steuern zuobegaben).
Über die Zahl der der Todesopfer geben die Meinungen der Quellen weit auseinander. Überliefert werden Zahlen zwischen 100(11), 300(12) und 1.000(13) getöteten Menschen. Die Chronik der Römischen Kaiser berichtete im Jahr 1542 sogar von 2.000 Erdbebenopfern.(14) Die meisten Berichterstatter machen hinsichtlich der Zahl der Opfer nur allgemeine Andeutungen. Der Chronist Fritz Closener aus Straßburg schrieb beispielsweise: Do verdarb ouch vil lutes unde vihes vom brande unde vor vervallende.(15) Die Limburger Chronik notiert 1398: Auch blieben zu Basel gar viele leute todt, die unter den Häusern erschlagen und erdruckt wurden.

Wundersame Fügungen

Wo ein großes Unglück die Menschen heimsucht, bleiben auch Berichte von wundersamen Fügungen nicht aus. Auf Burg Äsch/Oberäsch lag zum Zeitpunkt des Unglücks die frowe von Frik, gemeint ist Jacatte von Neustein, im Kindbett (Kintz). Als die Burgmauern einstürzten, fiel die junge Mutter mitsamt Amme und Kinderwagen in den Burggraben (in die halden uf einen boum). Da der Sturz offensichtlich von einem Baum aufgefangen wurde, nahmen die beiden Frauen und das Kind keinerlei Schaden. Eine andere glücklich verlaufene Begebenheit ist von der Burg Pfeffingen überliefert. Der Baseler Bischof Johannes Senn wollte von Delsberg (Delémont) aus in seine notleidende Stadt eilen. Der Weg dorthin führte ihn auf die vom Beben zerstörte Burg Pfeffingen. Dort wurde Anna, die jüngste Tochter der Gräfin von Thierstein, in den Trümmern der Burg vermisst. Der Bischof ließ nach dem Mädchen suchen, das er selbst getauft hatte und ihm deshalb besonders am Herzen lag. Man fand das Kind schließlich weinend in seiner Wiege. Diese war zwischen zwei großen Trümmerstücken eingeklemmt und so von weiteren herabfallenden Trümmern bewahrt worden. Als Erwachsene soll Anna später vielen Kindern das Leben geschenkt haben.(16)

"Opfer" im Umland - Die Burgen

Auch außerhalb der Stadt Basel waren die Schäden beträchtlich. Auf die Zerstörungen in Bern, Villach und Liestal wurde eingangs schon hingewiesen. In den Quellen heißt es, die Kirchen, Burgen und Befestigungsanlagen im Umkreis von 4 Meilen (rund 30 Kilometer) um das Epizentrum seien größtenteils zerstört worden.(17) Während sich die Chronisten hinsichtlich der Kirchen nur allgemein äußern, werden die zerstörten Burgen namentlich genannt.(18) Wurstisen spricht von 34 zerstörten Anlagen um Basel, am Blauwen und umb das gebirg Juram. Andere Chronisten, so führt Wurstisen aus, berichteten von 60 Burgen, da sie auch die minderen Wasserhäuser dazu rechneten. Sebastian Münster nennt namentlich 15 Burgen, er fügt aber hinzu, dass auch die Burgen im Fricktal und im Schwarzwald in Mitleidenschaft gezogen worden seien, also durchaus mehr als 60 Burgen zerstört worden sein könnten. Gilg Tschudi spricht davon, dass im Basler Bistum 46 Burgen, im Konstanzer Bistum 38 Schlösser und anderswo auch viele Befestigungsanlagen mehr oder weniger großen Schaden erlitten hätten. Demnach könnten am rechten Rheinufer neben den genannten Burgen Ötlikon, Brombach und Hertenberg, auch alle übrigen Burgen bis zum hinteren Wiesental und dem oberen Hotzenwald von Schädigungen betroffen gewesen sein.

Es sind 63 Burgen, von denen man sicher weiß, dass sie mehr oder weniger stark verwüstet worden sind: Aesch (= Bärenfels), Altkirch, Angenstein, Bärenfels (= Aesch), Biebertal (Schloss Burg im Leimental), Binningen, Birseck, Bischofstein, Blochmond, Brombach, Büren, Bütingen, Delsberg, Dorneck, Engenstein, Eptingen, Farnsburg, Froburg, Fürstenstein, Gilgenberg, Gundeldingen, Hagenbach, Hasenburg, Heidweiler, Hertenberg, Homberg, Kienberg, Klus, Krattenstein, Landser, Landskron, Laufen, Liestal, Löwenberg, Madeln, Mörsberg, Münchenstein, Münchsberg, Münsterol/Montreux-Chateau, Neuenstein, Oberäsch (Aesch), Oetlikon, Pfeffingen, Ramstein, Reichenstein, Schalberg, Schauenburg (Alt- und Neuschauenburg), Schönenberg, Steinbrunn, Tierstein, Vorburg, Waldeck, Wartenberg, Wildenstein. Die Lage der in den Quellen ebenfalls genannten Burgen Achenstein, Beuren, Büttikon (= Bietikon, Bettiken?), Landenberg, Löwenstein, Sengur oder Sengen, Tüwen sowie Waldkilch ist unbekannt.
Doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind noch mehr Burgen zu Schaden gekommen. Denn zwischen den genannten Anlagen befanden sich von den Zerstörungen betroffenen Gebiet noch eine Vielzahl anderer Burgen, die eigentlich von dem Beben betroffen gewesen sein müssten, von denen aber keine Erdbebenschäden überliefert sind.(19). Das Jahr 1356 bedeutete für einige Burgen die endgültige Zerstörung. So wurden die stark beschädigten Burgen Eptingen, Froburg, Madeln, Münchsberg, Alt-Schauenburg, Waldeck und möglicherweise Krattenstein und Schönenberg damals aufgegeben.(20)

Buße und Enthaltsamkeit

Die Bürger von Basel standen nach dem Erdbeben noch lange Zeit unter Schock, zumal damals in Unkenntnis der geologischen Zusammenhänge niemand um die Ursache der Katastrophe wissen konnte. Solche Naturereignisse wurden ebenso wie Epidemien, Hungersnöte und andere Schrecknisse als Zeichen göttlichen Zorns gedeutet. Vielleicht sah so mancher Zeitgenosse das Unglück als Strafe für das Pogrom an der jüdischen Gemeinde an, zu dem man sich während der Pestepidemie am 16. Januar 1349 hatte hinreißen lassen. Jedenfalls verordnete sich die Stadt aufgrund des Bebens eine kollektive Buße und allgemeine Enthaltsamkeit. Die Zurschaustellung von Überfluss wurde untersagt. Verboten waren jegliche hoffart, auch zierd von gold, silber, sammat und seyden zetragen, auch aller überfluß der kleidung. Von dieser Kleiderordnung waren ritterbürtige Stadtbewohner allerdings ausgenommen. Zudem wurde jährlich am Lucetag Evangeliste eine große Prozession (Crützgang) um das Münster herum veranstaltet. Almosen wurden an Opfer des Erdbebens ausgeteilt, ebenso Brot- und Kleiderspenden (Luxröcke). Die Stadträte trugen in den ersten drei Jahren nach dem Unglück während dieses Kreuzgangs graue Röcke oder Mäntel. Alle hielten in der Hand eine brennende Kerze, die sie der Mutter-Gottes weihten. Wer dazu in der Lage war, absolvierte die Prozession barfuß. Nach Abschluss der Gedenkfeier schenkten die Stadträte die grauen Röcke bedürftigen Mitbewohnern.

Wiederaufbau

Der Wiederaufbau der Stadt Basel konnte mit Hilfe der Nachbarstädte und dank der tätigen Eigeninitiative der Bevölkerung in relativ kurzer Zeit in Angriff genommen werden. Das Münster ließ Bischof Johannes von Münsingen mit Hilfe zahlreicher Spenden vermögender Mitbewohner innerhalb von sechs Jahren wieder instandsetzen. Das Gotteshaus wurde am 25.6. 1363 in Gegenwart des zypriotischen Königs Petri von Lusignan, der damals die Baseler Kirchweih besuchte, geweiht. Noch zu Lebzeiten Wurstisens, Ende des 16. Jahrhunderts, konnte man an den Pfeilern erkennen, welche Steine alt und welche neu hinzugefügt worden waren. Die Stadtmauer wurde ausgebessert, eine äußerer Befestigungsring in den Jahren zwischen 1362 und 1398 hinzugebaut. Er bezog jetzt auch die Vorstädte mit ein. Das St. Johannstor, das Spalentor und das St. Albantor sowie die Stadtmauer im Dalbeloch zeugen noch heute von der damaligen Bautätigkeit. Wer seitens der Bürger dazu in der Lage war, begann nach Abklingen der Beben mit dem Wiederaufbau seines zerstörten Hauses. Für andere Hausbesitzer gab es Steuernachlässe. So konnten zahlreiche Pächter, von Zinslasten befreit, ihre Häuser wieder aufrichten, welche sonst der Zinsen Beschwerung halb in der Eschen geblieben wären. Doch noch Jahre später standen viele Hofstätten in der Stadt leer, gab es zahlreiche Bauruinen und nur notdürftig hergerichtete Wohnungen.
Eine Reihe von Nachbeben hielt die Menschen noch lange Zeit in Atem. Immer wieder erschütterten Erdstöße die Region. Am 28. Dezember 1356 soll ein solches Beben erneut Gebäude zerstört haben. Werner Schodoler berichtet 1525, die Nachbeben hätten das ganze Jahr angedauert und seien ständig zu spüren gewesen.
Am 5.5.1357 versetzte ein solches Beben die Bürger der Stadt Straßburg in Angst und Schrecken. Als die Gebäude erzitterten und etliche Kamine von den Dächern stürzten, wollten die Menschen in Panik die Stadt verlassen, um dort in Zelten und eilig aufgestellten Hütten die Nacht zu verbringen. Man fürchtete, einer ähnlichen Katastrophe entgegenzusehen, wie sie kaum ein halbes Jahr zuvor die Stadt Basel ereilt hatte. Doch der Bischof verwehrte den Bürgern den Auszug aus der Stadt. Nur schwangeren Frauen war es gestattet, die Stadt zu verlassen. Wer innerhalb der Stadtmauern einen Garten besaß, durfte sich aber dort in Sicherheit bringen.
Doch auch in Basel riss die Serie der Unglücksfälle nicht ab. Am 14.09.1358 ereignete sich auf dem Rhein ein Unfall, als ein Schiff voller Pilger in Basel gegen einen Brückenpfeiler (an der Bruck wider ein Joch) stieß und 200 Pilger ertranken. Kurz vor Weihnachten raffte eine Pestilentzische, die bis Mai des folgenden Jahres anhielt, etliche Menschen dahin.

Gleichwohl blieb das große Beben von 1356 ein prägendes Ereignis für die Bewohner der Stadt Basel, das wegen der nach wie vor bestehenden Erdbebengefährdung im hochindustrialisierten Dreiländereck nichts an Aktualität verloren hat. Ein ähnliches Beben wie 1356 würde heute mehr als eine halbe Million Einwohner gefährden. Auch die Sachschäden würden angesichts der zahlreichen Chemiewerke der Region, der Rheinhäfen in Basel, Birsfelden und Muttenz mit ihren großen Benzin- und Öltanks, der Verstrahlungsgefahr durch die umliegenden Atomkraftwerke und des explosionsgefährdeten städtischen Gasnetzes die Schäden des Jahres 1356 mit Sicherheit weit in den Schatten stellen.