Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

2. Die Herkunft der Herren von Dahn

Über die Herkunft der Herren von Than liegen keinerlei Nachrichten vor. Vor allem bei den frühen Vertretern der Familie kann man nicht immer sicher sein, ob sie auch wirklich dem Wasgau entstammten oder nicht doch einer Familie aus einem der anderen Than-Orte. Der in der Literatur zuweilen als “der erste Dahner“ bezeichnete Anshelmus de Tannicka, der im Jahr 1127 zusammen mit anderen Herren der Umgebung bei der Gründung des Klosters St. Johann bei Saverne als Zeuge anwesend war, (3) stammte beispielsweise nicht aus dem Wasgau. Die Herren von Tannicka lebten auf Burg Tanneck bei Basel, Burg Tannegg südöstlich Titisee bzw. Burg Tannegg südwestlich des Ortes Will in der Schweiz.
Auch in späterer Zeit tauchen immer wieder “Dahner“ auf, die nach wie vor im Verdacht stehen, keine zu sein. In einigen Fällen zu Unrecht, wie das Beispiel des Kanonikers Konrad von Tanne zeigt.(4) Obwohl er mehrfach zusammen mit den Truchsessen von Waldburg - deren Stammsitz war Burg Altthan in Württemberg - in Urkunden bezeugt ist, stammte er wohl doch aus dem Wasgau.(5) Dieser Kanoniker Konrad war der wohl berühmteste Dahner: Von 1233 bis 1236 saß er als Konrad IV. auf dem Speyerer Bischofsstuhl.
Ob die Familie in den Wasgau eingewandert ist oder schon immer dort lebte, lässt sich nicht sagen. Zu keinem der anderen Than-Orte bzw. deren Bewohner lassen sich verwandtschaftliche Beziehungen erkennen. Die Dahner hatten - so weit das heute bekannt ist - keine rechtsrheinischen Besitzungen. Auch eine Verbindung zu dem Burgort Thanne im Elsass ist nicht erkennbar. Die dortige Burg Alt-Thann wird bereits 1194 erstmals genannt.(6) Zwar liegt sie dem Wasgau räumlich am nächsten und die Dahner verfügten über zahlreiche Güter und Rechte im mittleren und nördlichen Elsass, doch ist über das im elsässischen Thann lebende Burgherrengeschlecht zu wenig bekannt, als dass man dessen Abwanderung in den Wasgau annehmen könnte. Interessanterweise ist es aus dem südlichen Elsass verschwunden. Auf Burg Alt-Thann hielten die Herren von Egisheim Einzug.(7) Gleichwohl ist eine Verbindung zwischen den beiden Orten mit den bis heute vorliegenden Quellen nicht herzustellen.
Lässt man neben den allzu entlegenen Burgen Tann(8) auch solche Orte beiseite, die keine Niederadelsfamilie vergleichbaren Namens hervorgebracht haben, (9) bleibt eigentlich nur noch eine Burg übrig, die als möglicher Herkunftsort der Herren von Dahn in Frage kommt. Es ist dies die heute verschwundene Burg Altthan (bei Wolfegg) nördlich des Bodensees, die den seit 1170 belegten Herren von Tanne, den späteren Herren von Waldburg, gehörte. Der Stammsitz der Truchsessen von Waldburg bzw. von Tanne war eigentlich die Waldburg (sö Ravensburg), die im 12./13. Jahrhundert entstand. Eine Verbindung zu diesen Herren von Tanne ist ebenfalls nicht nachweisbar. Die schwäbischen Herren von Tanne gebrauchten aber teilweise dieselben Vornamen wie ihre Wasgauer Namensvettern, beide Familien standen sowohl mit dem Speyerer Bischof als auch mit dem Pfalzgrafen bei Rhein in Kontakt, wenngleich die Dahner aus dem Wasgau nie in Lehensbeziehung zu den Pfalzgrafen traten. Vertreter beider Familien tauchen auch gelegentlich zusammen in Urkunden als Zeugen auf. Doch bleibt es Spekulation anzunehmen, dass einige Herren Württemberg verlassen haben und in den Wasgau übergesiedelt sind.
Wahrscheinlich ist, dass die Dahner Familie nicht in den Wasgau eingewandert ist, sondern seit jeher dort ansässig war.(10) Nicht wenige Anzeichen sprechen für diese Vermutung. So wird im Jahr 1285 ein altes Lehen erwähnt, das die Familie in Hinterweidenthal vom Speyerer Hochstift trug. Dieses Lehen, so heißt es in der Urkunde, war vormals im Besitz des altehrwürdigen Klosters Hornbach gewesen. Es ist also gut möglich, dass die “Ur-Dahner“ ursprünglich aus der Gefolgschaft (familia) des Reichs-klosters Hornbach stammten. Diese Zugehörigkeit könnte die Ursache dafür sein, dass die Herren von Dahn im späten 12. Jahrhundert mehrfach in der Gruppe der Reichsministerialen(11) nachzuweisen sind.(12) Ende des 12. bzw. Anfang des 13. Jahrhunderts sind die Dahner dann immer weiter in die bischöflich-speyerische Ministerialität übergetreten,(13) wohl schon deshalb, weil ihre Hauptlehen vom Speyerer Hochstift stammten. Die Doppelstellung als Reichs- und Bischofsministerialen war zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches: Ähnliche Verhältnisse treffen wir auch bei den Herren von Fleckenstein an. War der König im Land, griff er bei Gerichtsverhandlungen und anderen Geschäften gerne auf die Dienste dieser Ministerialengruppe zurück. Zog der König weiter, traten die Dahner wieder als Speyerer Ministerialen auf.(14)
Ministerialen wurden die Dienstleute bedeutender kirchlicher oder weltlicher Herren genannt. Diese ursprünglich unfreien Eigenleute wurden von ihren Herren vor allem in der Güterverwaltung eingesetzt. Einzelne Ministerialen machten regelrecht Karriere im Verwaltungsapparat ihrer Herren und erfuhren einen gesellschaftlichen Aufstieg, der ihre Unfreiheit rasch vergessen ließ. Den Dahnern gelang es nicht nur, mit der Verwaltung einer Burg betraut zu werden, sondern ihm Zuge ihres gesellschaftlichen Aufstiegs auch in den Ritterstand aufzusteigen. (15)