Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

1. Einleitung

Die Geschichtsschreibung hat dem Geschlecht der Ritter von Dahn bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mit ein Grund hierfür mag eine abschätziges Urteil des Historikers Hermann Schreibmüller Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen sein: “Die Geschichte dieses Geschlechtes verläuft in abwechslungsloser Dürftigkeit und Eintönigkeit, aus der sich ganz selten ein Familienmitglied wenigstens etwas heraushebt“. (1)
Es ist Ziel der folgenden Darstellung zu zeigen, dass dieses harte Urteil keineswegs zutrifft, die Dahner vielmehr zu einem der wohlhabenden und bedeutenden Geschlechter des pfälzischen Niederadels gehörten. (2) Um die Geschichte der Dahner Ritter darstellen zu können, war es zuerst einmal notwendig, alle erreichbaren Fakten zu sammeln. Im Rahmen einer intensiven Suche in Bibliotheken und Archiven wurden alle Nachrichten zur Geschichte des Dahner Rittergeschlechtes zusammengetragen und in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt. Da nur eine fest begrenzte Zeit für die Recherche zur Verfügung stand, konnten nicht alle in Frage kommenden Archive gründlich durchforstet werden. Vor allem in französischen Archiven und kleinen Adelsarchiven schlummern vermutlich weitere Urkunden und Akten, die zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet und in das Regestenbuch aufgenommen werden sollen. Die Quellenlage zur Geschichte Dahns und seiner Burgen ist nicht gerade günstig. Zwar finden sich zahlreiche Belege zur Familie in den Archiven und Bibliotheken, doch viele Originalbelege sind im Laufe der Zeit verloren gegangen oder während der vielen Kriege vernichtet worden (Regest 806). Zahlreiche unvollständige Angaben in älteren Büchern können deshalb heute nicht mehr überprüft und ergänzt werden. Darüber hinaus sind einige ungenaue Fundstellenangaben in der älteren Literatur in den Archiven heute nicht mehr bekannt. Solche Urkunden müssen so lange als “verloren“ betrachtet werden, bis sie im Verlauf einer erneuten Suche wieder aufgefunden werden. Die hohe Verlustrate bzw. Unauffindbarkeit von Originalbelegen bringt es mit sich, dass viele Fakten und Nachrichten zur Dahner Geschichte nur aus der Literatur bekannt sind. Hier ist besonders auf die Arbeiten des Historikers Johann Georg Lehmann hinzuweisen, der im 19. Jahrhundert die Archive durchforstet und zahlreiche Belege zur Geschichte der pfälzischen Burgen gesammelt und veröffentlicht hat. Was die Dahner Burgen betrifft, ist man in vielen Fällen allein auf die wohl weitgehend zuverlässigen Angaben Lehmanns angewiesen. Ohne seine Arbeiten wären viele Details zur Dahner Geschichte nicht mehr bekannt und für immer verloren gewesen.
Eine weitere Besonderheit erschwert die Erforschung der Dahner Geschichte. In den schriftlichen Quellen des süddeutschen Raumes tauchen seit dem frühen 12. Jahrhundert immer wieder Mitglieder von Geschlechtern auf, die einen ähnlichen oder sogar gleichen Namen getragen haben. So finden sich in den Urkundenbüchern und Regestenwerken Namen wie Thann, Tann, Tanna, Tanne oder Tannika. Viele dieser Herren haben aber mit den Dahner Rittern aus dem Wasgau nichts zu tun. So läuft man bei der Durchsicht der Quellen immer wieder Gefahr, einer Verwechslung aufzusitzen. Die Thann-Orte, das machte die folgende Skizze deutlich, sind vor allem im bayerischen Raum zu finden. Doch auch in unmittelbarer Nähe Dahns liegen einige Orte ähnlichen Namens: