Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

5.3. Der Burgenkrieg Erzbischof Adalberts I. von Mainz

Wirtschaftsgebäude an der Burgmauer

Sofort nach seiner Freilassung aus der Haft knüpfte Adalbert in Köln Verbindungen zu Herzog Lothar von Sachsen.(119) Alsbald schickte der Erzbischof sich an, nach Westen und Süden in die salischen Kernbereiche vorzudringen, und versuchte mit Hilfe seiner Brüder, den seine territorialen Pläne beengenden salischen Besitzgürtel im linksrheinischen Hinterland der Bischofsstädte Mainz, Speyer und Worms zu durchbrechen.(120) Heinrich V. überließ Herzog Friedrich II. von Schwaben und Pfalzgraf Gottfried von Calw den Kampf gegen die Opposition und reiste im Februar 1116 nach Italien.(121) Adalbert griff Ostern 1116 unverzüglich Speyer an.(122) Er belegte die Stadt mit dem Interdikt und exkommunizierte seinen Bruder Bischof Bruno, weil der ihn bei diesem Eroberungszug nicht unterstützen wollte. Der Erzbischof ließ im Verlauf des Kriegszuges zahlreiche Befestigungen anlegen und Burgen zerstören.(123) So gelang es ihm, die Reichsburg Stromberg, die die mainzische Territorialpolitik im Hunsrück und die Verbindung zur Mosel beeinträchtigte, zu zerstören.(124) Friedrich II. von Schwaben setzte sich im Gegenzug von Basel aus in Bewegung. Während dieser Unternehmung entstand das berühmt gewordene Sprichwort Ottos von Freising, der Herzog ziehe am Schwanze seines Pferdes stets eine Burg hinter sich her. Herzog Friedrich brachte bis Juli 1116 das Gebiet bis Worms in seine Gewalt, indem er Burg um Burg vereinnahmte, an geeigneten Punkten neue anlegte oder bereits vorhandene befestigte. Otto von Freising gibt keine Anhaltspunkte, um welche Burgen es sich gehandelt haben könnte. Angesichts der angedeuteten hohen Zahl der Burgen und des Tempos, mit dem Herzog Friedrich im Speyergau vorging, um den Gebirgsrand des Pfälzer Waldes und die wichtigen Seitentäler zu erobern und mit Burgen abzusichern, kann er nur einfache Befestigungsanlagen oder Holzburgen errichtet haben, die dann zu einem späteren Zeitpunkt zu Burganlagen im eigentlichen Sinne ausgebaut wurden.(125) Anfang August 1116 rückten Adalbert und Herzog Lothar mit einem Heer vor Worms, wo sich Herzog Friedrich und Gottfried von Calw verschanzt hatten. Ungeachtet der Verhandlungen bezüglich eines Waffenstillstandes(126) versuchten die Wormser einen Ausfall. Herzog Friedrich geriet danach derart in Bedrängnis, dass er einem Schlichtungstag für den 29.9.1116 in Frankfurt zustimmen mußte.(127 ) Trotzdem ließ Herzog Friedrich Ende 1116 die Burg Limburg mit einer Besatzung belegen, die u.a. ein Waffengefährte des Herzogs, Ulrich von Hurningen führte.(128) Herzog Friedrich erschien zu dem Fürstentag in Frankfurt nicht. So zogen Adalbert, Herzog Lothar und die übrigen Fürsten(129) von Frankfurt nach Limburg und belagerten drei Wochen lang die Burg. Die Aktion brach sofort zusammen, als Herzog Friedrich II. mit mit Heeresmacht anrückte und Entsatz brachte.(130) Nach überstandenen Kämpfen um Mainz(131) halfen im Jahre 1118 Mainzer Truppen, Hermann von Winzenburg und wohl auch Friedrich von Arnsberg dem Erzbischof, die Stadt Oppenheim mit Kirche und Kloster und der Burg (praesidium) Herzog Friedrichs II. zu zerstören.(132) Herzog Friedrich mußte weichen. Zum Dank für ihre Unterstützung gewährte Adalbert den Mainzern wohl noch 1118 das große Stadtprivileg.(133) Als Heinrich V., vom Elsaß kommend, im Juni 1121 die Bischöfe Bruno von Speyer, Buggo von Worms und Kuno von Straßburg vertrieben hatte, organisierte er in einer breitangelegten Aktion die Belagerung der Stadt Mainz.(134) Er blockierte die Schiffahrtsroute, legte Schutzwehren für seine Truppen an, verfügte eine allgemeine Handelssperre und verhinderte jegliche Lebensmittelzufuhr in die Stadt.(135) Adalbert rüstete sich von Sachsen her zwar zum Gegenschlag, doch es kam nicht zum Kampf.(136) Das Wormser Konkordat 1122 leitete dann vorerst friedlichere Zeiten für Mainz ein.(137)