Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

4.3.3 Besitzungen der Grafen von Saarbrücken

Schildmauer und Halsgraben

Der saarbrückische Einflußbereich im Gebiet um das Steinenschloss gehörte zum Randgebiet ihrer Machtsphäre. Die Allode, über die die Saarbrücker östlich von Zweibrücken und besonders in den Gebieten nördlich von Pirmasens um Höhmühlbach, Höheinöd, Thaleischweiler und Burgalben verfügten,( 93) sind zum Bau des Steinenschlosses nicht in Anspruch genommen worden.(94) Es kann sein, dass die entsprechenden Grundstücke aus strategischen oder geomorphologischen Gründen für einen Burgenbau nicht geeignet waren.(95) Mit entscheidend für die Standortwahl wird aber gewesen sein, dass der Burgplatz auf dem Boden einer bevogteten Kirche bzw. dort, wo eine Vogtei angestrebt wurde, einen unmißverständlichen Machtanspruch bedeutete. Vor dem Hintergrund der Rangeleien in der Hornbacher Vogtei zur Zeit des Burgenbaus und angesichts der Tatsache, dass die Saarbrücker Jahre später tatsächlich die Vogtei in Hornbach erlangten, spricht für diese Annahme. Die in der Forschung oft geäußerte Ansicht, das Steinenschloss sei primär zum Schutz des Reichslandes auf Reichsboden errichtet worden, ist nicht nicht zu teilen. Das Fehlen von Hinweisen auf ein entsprechendes Lehensverhältnis ist zwar noch kein gegenteiliger Beweis, doch lassen die eben geschilderten grund-herrschaftlichen Bedingungen um das Steinenschloss allenfalls eine Zustimmung des Königs zum Dynastenbau vermuten. (96) Als einen weiteren Beleg unserer Annahme läßt sich die im folgenden beschriebene Burgen- und Reichslandpolitik der Könige anführen, die sich vor allem auf den Einsatz von Reichsdienstmannen und Reichslehnburgen stützt und eine Übertragung ähnlicher Strukturen auf die Saarbrücker Grafen und das Steinenschloss ausschließt. Besonders aber die Umstände der Neutralisierung des Steinenschlosses 1168 durch den König sprechen gegen eine solche Interpretation. Gestützt auf ihre Verbundenheit mit dem salischen Königtum war es den Saarbrückern bisher gelungen, über das Eindringen in Kirchenlehen und Vogteien ihren Einflußbereich zu vergrößern und gleichzeitig eine ganze Reihe von Familienmitgliedern in einflußreiche geistliche Würdenstellungen zu lancieren. Zu Unstimmigkeiten mit ihren Gönnern und Förderern, den salischen Königen, mußte es in dem Moment kommen, als das Wirken im salischen Interesse mit der Betonung einer eigenständigen Hausmachtpolitik kollidierte.(97) Der sich ausweitende territorialpolitische Gegensatz zum Königshaus schlug sich zunächst in unterschiedlichen Auffassungen der Besitzqualität einiger Burgen - namentlich des Trifels und der Madenburg - und der sich daraus ergebenden Konsequenzen nieder. Die Ursachen dieser Auseinandersetzung reichen weit in die Zeit vor der Erbauung des Steinenschlosses zurück. Der Zwist erreichte seinen Höhepunkt, als Heinrich V. dem Expansionsdrang der Saarbrücker - vertreten durch den Mainzer Erzbischof Adalbert von Saarbrücken - mit der Forcierung seiner Reichs- und Hausgutpolitik entgegentrat.