Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: N, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 19.05.2005

Nieder-Saulheim

Die Burg der Bolander
Im Besitzverzeichnis des Reichsministerialen Werner II. von Bolanden (1118-1198), das er 1198 kurz vor seiner Abreise in das Heilige Land (3. Kreuzzug) zusammenstellen ließ, werden nicht nur Güter in Nieder-Saulheim genannt, sondern auch eine Turmburg (torm), die er vom Mainzer Erzbischof Werner II. zu Lehen trug. Dieses Lehen hatte der Bolander offensichtlich dem Arnold von Saulheim (Arnoldi de Sowelnheim) als Afterlehen überlassen. Der erste im Jahr 1137 genannte Herr von Saulheim, Arnoldus de Sowelnheim, stand damals in Diensten des Mainzer Erzbischofs Heinrich I. Später sind Mitglieder der Familie auch als Burgleute auf der mainzischen Burg Nieder-Olm (1293) sowie auf den pfalzgräflichen Burgen Alzey und Oppenheim, als Amtmänner auf der mainzischen Burg Gieselwerder (1338) und als Burgmänner auf der mainzischen Burg Gernsheim (1360) bezeugt. Ob allerdings Arnold von Saulheim schon 1137 auf der bolandischen Burg in Nieder-Saulheim residierte, bleibt reine Vermutung. Obwohl noch im 13. Jahrhundert eine aus den ortsansässigen Rittern und der Dorfgemeinde bestehende Ganerbschaft die Dorfherrschaft übernahm, blieben die Saulheimer Herren auf der Burg. Sie wird im Mittelalter noch mehrfach genannt. So schenkte im Jahr 1321 der Ritter Paze von Sauwelnheim dem Heiligkreuzstift vor Mainz einige Grundstücke, darunter vier Morgen, die dem hern Emerichin of der borch gehörten. 1388 wird vor dem Ingelheimer Oberhof die Klage des Handelmannes Gutnuk verhandelt, der sich darüber beschwerte, dass Seltin von Saulheim und seine Spießgesellen ihn nach Saulheim verschleppt hätten, um ihn dort ohne Gerichtsbeschluss in der burg bzw. im torm gefangen zu halten. In einem Güterverzeichnis des Jahres 1474 schließlich erscheint die mittelalterliche Burg zum letzten Mal in den Schriftquellen. Damals wird aber nicht das Burggebäude selbst, sondern nur noch eine Flur bii der burge genannt. Ob die Burg damals noch gestanden hat oder bereits zerstört war, lässt sich bisher nicht ermitteln.

Das Dienheimer Schloss
Mehr als hundert Jahre später stand in Nieder-Saulheim ein Schloss, das aber nicht den Saulheimern, sondern den Herren von Dienheim gehörte. Am 6. Mai 1588 ließ Seyfried von Dienheim mit großem Zeremoniell den Grundstein zu diesem Schlossbau legen. Es entstand ein repräsentatives Herrenhaus, von dem aus das umfangreiche Hofgut der Dienheimer, ein Lehen der Pfalzgrafen, verwaltet wurde. Zahlreiche im weiten Umkreis stehende Hofraiten nebst ausgedehnten Gärten gehörten zu dem Anwesen. Das Dienheimer Schlossgut blieb bis zur Besetzung der Rheinlande durch französische Revolutionstruppen im Besitz der Familie. Unter französischer Verwaltung wurde der Gutshof an Professor Johannes Neeb erst verpachtet und dann im Jahr 1803 verkauft. Von 1804 bis 1842 war Neeb Bürgermeister in Nieder-Saulheim. Das sonstige Schlossgut wurde parzelliert und an die Landwirte des Ortes veräußert. Bis 1850 war das Schloss in den Händen Neebs, nach ihm wurde 1850–1857 Herr Striegler Schlossbesitzer. Im folgten 1857-1867 Friedrich Hart, 1867-1869 Herr Reichert, 1869-1874 Herr Kolb und seit 1874 Herr Harth. Noch heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz.

Das zweite ‚Schloss’ im Ort, das sog. Amtshaus an der Neupforte, war vom 17. Jahrhundert bis 1793 im Besitz des Freiherrn von Haxthausen. Es wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet, wenn auch nur der östliche Giebel mit seinen aus Backsteinen vorgekragten Zierleisten Merkmale dieser Zeit trägt.

Baubeschreibung: Die alte bolandische Burg stand auf einem heute freien Rasenfeld ca. 200 Meter südlich der evangelischen Kirche, die früher Bartholomäuskirche hieß. Unter diesem im Jahr 1900 niedergelegten Gebäude soll sich ein gewölbter Keller befunden haben, der Relikt der einstigen Burg gewesen sein soll. Ein solcher Gewölbekeller befindet sich heute noch im Garten des evangelischen Gemeindehauses (Dietrich Bonhoeffer-Haus). Ob dieser Keller mit der alten bolandischen Burg in Verbindung steht, lässt sich heute nicht sagen.

Das Dienheimer Schloss steht mitten im Ort. Der Zugang zum Schloss wurde einst von einem steinernen Rundbogentor gebildet, dessen Schlussstein das Wappen der Familie von Dienheim zeigte. Dieses Tor wurde nach einem Besitzwechsel 1817 niedergelegt. Der langgezogene rechteckige Bau ist 36 Meter lang und wurde aus roh behauenem Naturstein errichtet. Die Mauern des zweigeschossigen Gebäudes sind heute verputzt. Die Rahmen der Renaissancefenster sind aus Sandstein. Die Mauern sind ca. 85 cm dick. Die großen Innenräume wurden erst am Anfang des 20. Jahrhunderts durch Zwischenwände in kleinere Räume unterteilt. Bemerkenswert ist der geschwungenen Nord-Ost-Giebel im Spätrenaissance-Stil. An der Vorderfront des Gebäudes sind heute die Wappen der ehemaligen Besitzer des Schlosses angebracht.

Quellen: Böhn 1958, S.173f.; Brilmayer 1905, S.340f.; Decker 1963, S.51; Stephan 1965, S.106f.

Von: (sg)