Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: M, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 19.05.2005

Morschheim

Das weitverzweigte Geschlecht derer von Morschheim hatte sich im Ort eine Burg errichtet

Neben den deutschen Königen waren spätestens seit Ende des 12. Jahrhunderts die Reichsministerialen von Bolanden in Morschheim begütert. Aber auch geistliche Korporationen, wie etwa die Klöster Sion (bei Mauchenheim), Rothenkirchen und Marienthal (bei Rockenhausen), hatten Grundbesitz in Morschheim. Die Besitzungen der Herren von Bolanden erbten 1393 die Grafen von Nassau-Saarbrücken.

In Morschheim wohnte ein Rittergeschlecht, das sich nach dem Ort benannte. Die Herren und nachmaligen Junker von Morschheim sind seit 1194 (Gerlach von Morschheim) in Schriftquellen nachzuweisen. Sie verfügten als Lehnsleute der Grafen von Nassau und der Pfalzgrafen bei Rhein über beachtlichen Grundbesitz. Mitglieder der weit verzweigten Familie geboten über etliche Burgen, so etwa die beiden Burgen in Erbes-Büdesheim, die Rote und die Weiße Burg, Burg Wöllstein (1462 Pfandburg) sowie über Schloss Wachenheim (1613). Darüber hinaus verfügten die Herren von Morschheim über diverse Burglehen, so etwa in Alzey und Lautern. In Morschheim hatte sich die Familie ihre Residenzburg errichtet. Wann dies geschah ist unbekannt; Die alte von einem Wassergraben umgebene Burg wird erstmals im Jahr 1396 genannt. Damals bekannte Johann von Morschheim, dass Adelheid von Katzenelnbogen, Witwe des Grafen Heinrich von Sponheim, ihr Burglehen zu Stauf mit 100 Pfund abgelöst hatte. Dafür trug der Morschheimer nun als Gegenwert seinen Anteil am Haus Morschheim zu Burglehen auf, nämlich das äußere Pfortenhaus, den langen Stall und einen Garten an der hinteren Pforte. Im Jahr 1408 wurde nach dem Tod des Ritters Johann von Morschheim bestimmt, dass der burgsess und der vorhoff usswendig der vorgenanten burg zu Morschheim den Nonnen von Sion als Tafelgut zufallen sollte. Im Jahr 1443 dienten dieser burgsesse und der Hof zu Morschheim dem pfalzgräflichen Burgmann Siegel von Bissersheim als Burglehnsgut; 1457 ist der Besitz wieder in Händen eines Morschheimers. Auch in den Jahren 1461, 1477, 1532 und 1584 wird der Burgsitz mit dem benachbarten Hofgut in Morschheim genannt. Stets diente das Schlossgut als Alzeyer Burglehnsgut.

Im Jahr 1639 soll der Junker Georg von Morschheim den Löwensteiner (Randecker) Hof zu Morschheim gekauft und einem Hofmann anvertraut haben, der mit seiner Familie im Morschheimer Schloss wohnte (Karmann). Als das Geschlecht von Morschheim 1651 mit Georg von Morschheim erlosch, war das Schloss in der Verfügungsgewalt des Pfalzgrafen. Ob sie von Anfang an Lehnsburg der Pfalzgrafen war oder erst zu einem späteren Zeitpunkt von den Morschheimern zu Lehen aufgetragen wurde, ist unbekannt. Jedenfalls verlieh Kurfürst Karl I. Ludwig (1649-1680) am 27.11.1651 Burgsitz und Hof zu Morschheim samt Zubehör an die Ehemänner der beiden Erbtöchter Anna Maria und Anna Elisabeth: Friedrich von Steinkallenfels und dem Johann Karl von Wallbronn, als Bevollmächtigten des Wolfgang Adolph von Carben [Burggraf in Friedberg]. 1679 fiel das Lehen an Johann Heinrich von Steinkallenfels und Georg Wilhelm Vogt zu Hunoltstein, die mit Eva und Anna Diana, Töchter der Anna Maria von Morschheim, verheiratet waren, sowie an Johann Adolf von Carben zu Staden als Sohn der Anna Elisabeth von Morsheim. In diesem Schriftstück werden weitere Details zur Besitzgeschichte Morschheims erwähnt. Demnach soll der burgseß einst dem Albrecht von Morschheim, nach seinem Tode (1532) seiner Tochter Walburga von Ellenbach, der Witwe des Hans Melchiors von Morsheim, sowie ihren Söhnen Heinrich und Hans Heinrich von Morschheim sowie 1584 Christoph Landschad von Steinach gehört haben. 1737 verlieh Kurfürst Karl Philipp das Alzeyer Erbburglehen zu Morschheim dem Claudius von Gagern. Dieser ließ 1752 Reparaturarbeiten am schadhaften Schlossgebäude und dem benachbarten Viehhof (höffgen) vornehmen. Nach seinem Tod verlieh Kurfürst Karl Theodor das Lehen dem Karl Friedrich Adolf von Gagern, der es auch im Namen der unmündigen Kinder seines verstorbenen Vetters Johann Friedrich von Hunoldstein verwaltete. 1778 wurden die freiadligen Güter der beiden an das Haus Nassau verkauft. Haus, Burgseß und Hof zu Morschheim blieben dagegen kurpfälzisches Lehen der Herren von Gagern. Doch wenig später hob Kurfürst Karl IV. Philipp Theodor das bisherige aus dem Haus, dem burgseß und dem Hof zu Morschheim sowie Wiesen in dem brügel bestehende Erbburglehen zu Alzey auf. Er gab seine Zustimmung zur Verwandlung der Burglehens in eigenes Gut, das nun an den Fürsten von Nassau-Weilburg veräußert wurde. In den Jahren nach 1820 wurde das ehemalige gagernsche und jetzt nassau-weilburgische Schlossgut zu Morschheim versteigert. Es wurde in 123 Lose geteilt und einzeln an Interessenten versteigert. Es bestand damals noch aus einem Wohngebäude, das „alte Schloss“ genannt, unter dem sich ein Stall befand, aus einer Scheuer mit zwei Einfahrten, aus einem Gärtchen im Graben vor dem Schloss, einem Garten hinter dem Schloss sowie aus einem Hof mit Wohngebäude, Scheuer, Remise und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Vorhanden war zudem ein Schlossteich, der sich um das Schloss herumzog. Das alte Schlossgebäude, es lag in den Fluren im Reitzfad, im Viertelgarten, an der Alzeyer Straß, wurde am 31.04.1829 nebst Garten, Scheuer, Schlossteich, drei alten kleinen Ställen und Garten für 1.225 Gulden an Andreas Bayer III., Ackermann zu Morschheim, verkauft. Die gesamte Auktion, das Gut war mehr als 284 Morgen groß, erbrachte über 10.000 Gulden. Baubeschreibung Nach Zink befand sich im Jahr 1680 im Ort noch ein altes mit Gräben und Zugbrücken versehenes Schloss. 1751 ließ der damalige Besitzer Claudius Moritz von Gagern von der Gemeinde Morschheim einen Zustandsbericht seines Schlosses anfertigen. Diesen wollte er der kurfürstlichen Lehenkammer einschicken. Dem Wortlaut dieses Berichtes zufolge, befand sich neben dem Stamm hauß ein höffgen, das zum Burgsitz und dem Haus gehörte. Dieser Burgsitz bestand ehemals aus einem kleinen Stübchen, daneben eine kleine Schmiede. Wenn man die Treppe hochging, fand man rechter Hand ein kleines Stübchen, auf der linken Seite zwei kleine Kämmerchen, oben einen Speicher, auf dem ungefähr 20 Malter Getreide gelagert werden konnten. Das Gebäude war aufgrund der Kriegszeiten und infolge seines Alters baufällig geworden. Weil man es zu nichts anderem nutzen konnte, wurde der Platz geräumt und zu dem Höfchen geschlagen. Der Platz des Burgsitzes maß zwei Ruthen und vier Schuhe in der Länge, und eine Ruthe und vier Schuhe in der Breite, das Höfchen war eine Ruthe und sieben Schuhe lang und eine Ruthe und sechs Schuhe breit. Die zu dem Lehen gehörigen Wiesen, sie stießen an den Weiher, berührten ‚oben’ das Ritterhofgut, ‚unten’ den Syoner Pfad. Ein Jahr später ließ Claudius Mauritius von Gagern dem Bericht noch hinzufügen, Wohnhaus und Höfgen seien ruiniert, das Mauerwesen unbrauchbar, deshalb würden jetzt solche Mauer dato aus dem Fundament neu aufgeführt und der Platz zum Gärtgen theils amploirt [erweitert]. Noch 1778 soll das Schloss noch einen gefassten tiefen Wassergraben ringsum gehabt haben und auf der einen Seite, gegen Alzey hin, einen schönen Obstgarten samt einem nunmehr ganz zugebauten Vor- und Viehhof.

Quellen: Fabricius 1914, S. 413; Frey 1836/37, S.295f.; Karmann 1989, S. 5, 83; Karmann 1994, S.50ff.; Köllner 1954, S.238; Lucae 1993, S.161ff.; Röttger 1938, S.226 und 231; Zink 1934, S.31, 36

Von: (sg)