Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: H, Mainzer Erzbischöfe, Hessen Zuletzt aktualisiert: 21.09.2010

Hamershusen

Die herrschaftlich umstrittene Burg lag in der Gemarkung Rockenberg (Hessen) und hieß zeitweise Gerlachshausen

Der Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau (1346-1371) hatte vor Ende 1356 seinen Nieder-Olmer Burggrafen, den Ritter Johann Mertz von Kriftel, der auch Mann des Grafen von Nassau war, mit dem Bau einer Burg in Hamershusen beauftragt. Der Bau sollte auf Eigengut des Ritters entstehen. Unmittelbarer Anlass zum Bau waren die Kämpfe Erzbischofs Gerlach mit seinem Widersacher um den Mainzer Erzbischofsstuhl Kuno von Falkenstein, der sich in diesem Landesteil vor allem auf die Burgen Münzenberg und Butzbach stützen konnte.
Als Burg Hamershusen an den Landgrafen von Hessen zu fallen drohte, konnte der Erzbischof wegen des fehlenden Besitzrechtes am Baugrund kein Lehnsgericht anrufen, sondern er musste die Burg regelrecht okkupieren. Dies tat er offensichtlich gegen den Willen des Eigentümerfamilie Mertz. Zur Untermauerung seines besitzrechtlichen Anspruchs benannte der Erzbischof seinen Eroberung in Gerlachshausen um. Darüberhinaus überantwortete er die Burg seinem Bruder, dem Grafen Johann [II.] von Nassau-Merenberg. Kaiser Karl IV. scheint mit der Aktion einverstanden gewesen zu sein, denn er erlaubte Erzbischof Gerlach 1356, in der Umgebung der Burgen Haßloch und Gerlachshausen Städte zu gründen. (Vigener, Regesten 688).
Doch die Familie Mertz wollte auf ihre Burg nicht verzichten. Graf Johann von Nassau-Merenberg musste 1358 einlenken. Er schrieb, er habe im Namen Erzbischof Gerlachs dem Ritter Johann Mertz, seinem Getreuen, versprochen, Burg Hamershusen (sie war demnach hier wieder umbenannt worden) zurückzugeben. Da dies z.Zt. nicht möglich sei, wollte er den Mertz stattdessen seine eigene Burg Grebenhausen mit allem Zubehör überantworten. Grebenhausen sollte Ritter Johann so lange besitzen, bis die Burg Hamershusen zurückgegeben werden konnte (Vigener, Regesten 954). Warum Burg Hamershusen nicht verfügbar war, ist nicht überliefert.
Der Streit zwischen Erzbischof Gerlach und Ritter Johann Merz war auch 1361 keineswegs beigelegt, die Besitzrechte nicht geklärt. Ritter Johann forderte vom Mainzer, dass ihm zumindest seine Güter außerhalb der Gräben der Burg, die der Erzbischof Gerlachshausen nenne, zurückgegeben werde. Der Kirchenfürst antwortete, er habe Johann die Burg samt Zubehör in rechter Feindschaft abgewonnen. Er sei im Besitz dieser Güter, sei mit Johann gesühnt worden und besitze demnach die Güter immer noch. Es gebe in dieser Angelegenheit nichts mehr zu klären.
Gleichwohl wurde ein Schiedsgericht einberufen. Die Schiedsleute erklärten: Wenn Ritter Johann die umstrittenen Güter verkauft und weggegeben habe, bevor er mit dem Erzbischof in Feindschaft geraten sei und beschwört, dass er mit der Preisgabe nicht versucht habe, sie vor dem Zugriff des Erzbischofs zu schützen, und wenn zudem die Sühne zwischen ihm und dem Mainzer vor Ablauf des Jahres des Verkaufs geschah, so sollen jene Güter außerhalb der Gräben wieder ihm (Johann) gehören. Doch soll der Erzbischof freien Zugang zu seiner Burg haben, so wie dies Johann bei der Verpfändung auch gehabt habe (Vigener, Regesten 1411). Obwohl 1368 Tile von Bellersheim kurmainzischer Amtmann in Hamershusen war (Vigener, Regesten 2418), versuchte Ritter Johann Mertz im selben Jahr vergeblich, seinen Anspruch auf die Burg vor dem Burggericht in Friedberg einzuklagen (Vigener, Regesten 2463). 1370 ist Burg Hamershusen immer noch im Besitz Erzbischof Gerlachs. Nach wie vor ist Tile von Bellersheim dort Amtmann.
Doch dann schloss man Frieden. Der Erzbischof gab 1370 die Burg dem Mertz, dem Sohn des Erbauers, zurück. Dieser musste die Burg dem Erzbischof zu Lehen auftragen und künftig als Offenhaus zur Verfügung stellen.
Im Jahr 1384 wird Burg Hamershusen im Besitz des Johan Mertz von Kriftel und seiner Ehefrau Margarethe genannt. (MIB 10 fol. 262v).
1398 erlaubte der Mainzer Erzbischof Johan dem Johann Mertz von Kriftel eine Hube Land in Hamershusen als Unterpfand für eine Schuld bei den Brüdern Herman, Henne und Fritzichin Cleinen, Brüdern von Hohenberg einzusetzen. (MIB 13 fol. 94v) Die Mertz von Kriftel waren demnach immer noch in Hamershausen begütert. Die Burg wird nicht erwähnt.

Literatur: Grathoff, Erzbischofsburgen S. 32, 44, 58, 66, 157; G.W.J. Wagner, Wüstungen in Oberhessen 307f.; Schenk zu Schweinsberg AHG 14, 1879, S.418

Von: (sg)