Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: U, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 23.11.2007

Udenheim

Die alte Burg nw Wörrstadt/Rheinhessen soll im Bereich zwischen Ostergasse und dem Schloss gestanden haben.

Erstmals genannt wird Udenheim 773 in einem Besitzverzeichnis der Abtei Lorsch. Im Ort waren u.a. die Domkirche zu Chalons (Frankreich), das Mainzer Erzstift und das Bistum Worms begütert. 1257 werden für kurze Zeit wildgräfliche Hoheitsrechte im Ort fassbar. 1367 erscheint Udenheim als Lehen der Grafschaft Sponheim.
Der Wohnturm im Ort gehörte zum Eigengut der ortsansässigen Ritter von Udenheim, die vom 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert in Urkunden nachweisbar sind. Hermann und Diele von Udenheim trugen ihren steinernen Turm am 5. März 1364 dem Trierer Erzbischof Kuno zu Lehen auf.
Im Jahr 1401 verlieh König und Pfalzgraf Ruprecht Güter und ein „hus“ in Udenheim dem Wilhelm von Udenheim (RPfalzgrafen 2, 1001). Ob es sich bei diesem Haus um ein burgähnliches Gebäude gehandelt hat, ist zweifelhaft. Die Herren von Udenheim dienten damals als pfalzgräfliche Burgmannen in Alzey und Oppenheim (RPfalzgrafen 2, 1239 und 6267). Zweifel erheben sich auch, da die Pfalzgrafen wohl Rechte in Udenheim besaßen, ihre Ansprüche auf den Wohnturm aber nur schwer zu erklären wären. Eine Nachricht von 1498, Pfalzgraf Philipp habe das Schloss Udenheim in seinen Schutz genommen (GLA KA Pfälzisches Kopialbuch B. 818 fol. 402 (alte Sig.)), ist wohl eher auf Philippsburg, das frühere Udenheim, zu beziehen.
Im Laufe der Zeit verschafften sich in Abhängigkeit von den Pfalzgrafen die Herren von Löwenstein, von Gemmingen, von Bibra, von Dalberg, von Gabsheim, von Dagenrod u.a. Besitzrechte im Dorf. Die meisten Güter dieser Adelsfamilien wurden nach und nach von den Köth zu Wanscheid (Wahnschied) erworben, die Anfang des 16. Jahrhunderts in Udenheim erscheinen und 1555 das Udenheimer Lehen übertragen bekamen (Gensicke, Köth S. 63). Der Familie gelang es bis 1683, zu Herren des Dorfes aufzusteigen. Der Adelsturm der Herren von Udenheim hatte wohl lange seine Bedeutung verloren, als sich die Herren von Wanscheid Mitte des 16. Jahrhunderts entschlossen, direkt neben der zerfallenen Burg der Herren von Udenheim ein Residenzschloss zu errichten. 1591 scheint es fertig gewesen zu sein, wenn man die Jahreszahl über dem Kellereingang als einen solchen Hinweis verstehen will. 1593 wird dieses Schloss erstmals in einem Teilungsvertrag genannt.
Im Jahr 1680 besaßen die Köth von Wanscheid 300 Morgen Land und das adelige Schloss zu Udenheim (Böhn). Auch 1751 wird das neue Schloss in Udenhein erwähnt. Wenig später, im Jahr 1760, werden alte Burg und neues Schloss noch gemeinschaftlich genannt. Nähere Einzelheiten zum Schloss der Köth von Wanscheid lassen sich nicht mehr ergründen, da das im Staatsarchiv Darmstadt hinterlegte Archiv der Freiherren Köth von Wanscheid 1944 durch Kriegseinwirkung vernichtet wurde. Die Herren von Wanscheid behielten ihr Schloss bis zur französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts. Sie bewohnten es aber nicht mehr selbst, sondern hatten es an Pächter vergeben. Bekannt sind 1742 Balthasar Schießler und 1752 Johann Philipp Reichard. Letzerem wurde dasz herrschafttl(iche) hoffhausz im alten schlosz mit seinem bezirck sambt stallung und scheuer zur freien Wohnung bzw. Bewirtschaftung gegeben. 1790 wird in einer Bestandsaufnahme der köthschen Güter das Schloss als bereits baufällig bezeichnet. Bald darauf scheint es gänzlich verfallen zu sein, 1849 waren nur noch Trümmer vorhanden, die Wälle eingeebnet und die Gräben zugeschüttet. Dies bestätigen Schaab 1851 in seiner Geschichte der Stadt Mainz sowie Brilmayer 1905 in seiner Beschreibung Rheinhessens.
Ende des 18. Jahrhunderts war das Anwesen in den Besitz der Familie Zaun übergegangen, die es von den Erben der Köth erworben hatte.

Beschreibung:
Wie die alte Burg der Herren von Udenheim ausgesehen haben mag, ist völlig unbekannt. Auch vom Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen neuen Schloss ist wenig bekannt, da nahezu sämtliche Akten hierzu im 2. Weltkrieg vernichtet wurden. 1672 wird berichtet, es habe sich ein Graben um die Anlage gezogen. Auf einer Karte Udenheims aus dem Jahr 1833 (Beilage in: 1200 Jahre Udenheim. Zur Erinnerung an die erste urkundliche Erwähnung vom 12. Juni 773. Udenheim 1973) ist das ehemalige Schloss der Herren Köth von Wahnschied im Osten des Dorfes am Ende des „Schlossgässchens“ im Bereich der Flur „In der Lache“ („Im Weiher“) eingezeichnet.  

Literatur

  • Böhn 1958, S. 201-203.
  • Brilmayer 1905, S. 432ff.
  • Fabricius 1914, S. 232
  • Gensicke, Früher Besitz, S. 56-59
  • Gensicke, Die Köth von Wahnschied, S. 60-66.
  • Walldorf, Namen , S.63ff.

Von: (sg)