Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: S, Pfalzgrafen bei Rhein, Hessen Zuletzt aktualisiert: 23.11.2007

Sauerburg bei Sauerthal

Pfalzgräfliche Burg osö Kaub/Rhein

Die Sauerburg wurde um 1355 auf Veranlassung des Pfalzgrafen Rupprecht d.Ä. errichtet. Nach Lotz war die Burg schon 1339 existent. Die Sauerburg wurde wohl als Gegenburg zur mainzischen Ganerbenburg Waldeck, von der aus damals offensichtlich landschädliche Übergriffe ausgingen. Wohl deshalb gab der Mainzer Erzbischof, zu dessen Lehnshof die Herren von Waldeck gehörten, seine Zustimmung zum Bau einer pfalzgräflichen Burg in unmittelbarer Nähe. Das unübersichtliche Wispertal und seine Seitentäler war Grenzgebiet zwischen dem Mainzer Erzstift und dem Einflussgebiet der Pfalzgrafen bei Rhein. Hier war eine Reihe von Befestigungen entstanden, die sich teilweise in der Hand von unabhängigen Rittergeschlechtern befanden. Da diese durchaus eigennützige herrschaftliche Ziele verfolgten, kam es mehrmals vor, dass Pfalzgraf und Mainzer Erzbischof sich zusammentaten, um diese Aktivitäten, die ihnen beiden schadeten, unter Kontrolle zu behalten.
Die Sauerburg diente zunächst als Bezugspunkt sog. politischer Burgmannschaften. So wurden etwa 1355 die Grafen von Nassau-Merenberg und die Grafen von Katzenelnbogen pfalzgräfliche Burgmannen auf der Veste (Wenck 1 S.167). Der Erzbischof wahrte seinen Einfluss, indem er sich ebenfalls 1355, die Burg als Offenhaus einräumen ließ (Brück, Rheinengtal 86). Die Burg blieb bis 1507 pfälzisch und war längere Zeit Nebensitz des pfälzischen Amtes Kaub.
Pfalzgraf Philipp verkaufte sie zunächst an seinen Marschall Philipp von Kronberg. Auf dem Erbschaftweg kam sie 1617 an die Brömser von Rüdesheim, von ihnen 1668 an die von Metternich. 1692 war sie im Besitz der von Sickingen.
Schon im Jahr 1670 war die Burg in einem schlechtem Zustand. Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs demolierten im Jahr 1689 Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. auch die Sauerburg, sprengten den Bergfried und verbrannten die Wohnbauten. Anschließend zogen sie weiter zur Schönburg auf der anderen Rheinseite, um dort ihr Zerstörungswerk fortzusetzen.
Auf der Sauerburg sollen sich im späten 18. Jahrhunderts jene Vorgänge ereignet haben, welche die literarische Vorlage zu Schillers „Die Räuber“ bildeten: der alternde Burgherr soll wegen seiner Verschwendungssucht von seinen beiden Söhnen in einem Verlies der Sauerburg gefangen gehalten worden und 1786 in Sauerthal verstorben sein.
Auf dem Friedhof der Gemeinde befindet sich das Grabmal des letzten Herrn von Sickingen aus dem Hause Sickingen-Sickingen und Sickingen-Ebernburg, der bis 1834 auf dem Sauerberger Hof gelebt hatte. Die Ruine der Sauerburg und dieser Hof waren die letzten Besitztümer dieser weithin bekannten Familie.

Baubeschreibung:
Die Kernburg der Sauerburg bildet in etwa ein Dreieck, dessen Spitze zur Angriffseite zeigte. Dort stand als zusätzlicher Schutz der quadratische Bergfried, der bewohnbare Räume aufwies und auf dessen Wehrplattform gemäß einer alten Beschreibung 131 Stufen führten. Von der Vorburg führte eine Brücke über den Halsgraben ins Vorgelände. Die Sauerburg wurde noch im 16. und 17. Jahrhundert ausgebaut: aus dieser Zeit stammen ein halbrundes Geschützrondell vor dem Bergfried und eine dreieckige Bastion an der gegenüberliegenden Talseite. Die Burg ist von einem größtenteils aus dem Fels geschlagenen, teilweise aber auch gemauerten Graben umgeben. Möglicherweise gehört er nicht zur mittelalterlichen Bauphase.  

Quelle: Bolle; Dehio S. 932; Tillmann S.934; Witte S.47, 49-52; Lotz S. 397.

Literaturhinweise:

  • Junker: Die Sauerburg. In: Nassauische Annalen 6/2 (1859/60), S.321-342.
  • Ed. Flick: Die Sauerburg. In: Alt-Nassau 1904/11.
  • Karl Wolff: Die Sauerburg und die Geschichte von Sickingen. In: Nassovia 5 (1904).
  • Fritz Ad. Schmidt: Die Entstehung der Sauerburg. In: Nassauische Heimatblätter 21 (1917/18).
  • Fritz Ad. Schmidt: Die Sauerburg. In: Nassauische Heimat 10/1 (1930).
  • Heinrich Meier: Die Feste Sauerburg und ihre Besitzer. In: Nassauische Heimat 1/7 (1921).

Von: (sg)