Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: S, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 23.11.2007

Sandhof

Befestigtes Hofgut in der Ebene westsüdwestlich der Gemeinde Eich am Rhein

Erstmals taucht das Dorf Eich (Heuchinen) im 8. Jahrhundert (782) in Güterverzeichnissen des Klosters Lorsch auf. Zu Eich gehörte der Sandhof, der erstmals im 1240 in der Überlieferung des Klosters Otterberg erscheint. Im Jahr 1316 verwalteten die Hübner und ein Laienbruder des Klosters Otterberg den Hof zume Sande gemeinsam. Das Kloster trat 1330 den Hof an Hermann von Hohenfels ab. Der Hohenfelser sagte zu, alle Verpflichtungen, die darauf lasteten, zu übernehmen, darunter eine Abgabe von 104 ½ Maltern Korn, 3 Pfund 28 Heller Zins, eine Wagenfahrt von 100 Malter Korn mit dem Hofwagen nach Worms sowie die auf den Hof fallenden Anteile an den Gemeindelasten wie das Deichen und das Fegen der Bäche.
Die Hohenfelser besaßen auch die Vogtei über die Grundherrschaft des Wormser Stiftes St. Paul in Eich. Die Vogtei und Hochgerichtsbarkeit ist dann an Philip von Wunnenberg gekommen, der seine Rechte von Erzbischof Balduin von Trier zu Lehen hatte. Er wurde 1356 aus dem Lehnsverband entlassen. Am 20. April 1357 veräußerte der Erzbischof das Dorf Eich an den Grafen Walram von Sponheim, der es nebst dem Dorf Sande, der Burg in Eich und mit dem Gut, das den Herren von Hohenfels gehörte, sechs Tage später dem Heinrich zum Jungen, Bürger zu Mainz und Schultheiß in Oppenheim für 3.900 kleine Florentiner Gulden veräußerte (Baur UHessen 3, 1291f., S. 302f.). Werner, Herman und Johann von Hohenfels traten darauf am 15.12. dem Käufer ihre Ansprüche und Rechte im Dorf Eich sowie in den Höfen zum Sande und in Muckenhausen ab (Baur UHessen 3, 1298, S.389).
Im Jahr 1406 versprach die Witwe des Heinrich zum Jungen dem König und Pfalzgrafen Ruprecht, ihm das Gericht Eich zu verkaufen, sollte Graf Simon von Sponheim von seinem Lösungsrecht keinen Gebrauch machen. Das Stift St. Paul zu Worms, Inhaber der Grundherrschaft, überließ Pfalzgraf Ludwig III. 1413 die Hälfte des Dorfes. In den Jahren 1418, 1420 und 1422 erwarb der Kurfürst aus dem Nachlass Heinrichs vom Jungen auch die an Werner Füllschüssel von Nierstein, Friedrich Jost von Bechtolsheim und Hermann von Udenheim vererbten Anteile. Im Alzeyer Salbuch aus dem Jahr 1429 heißt es folgerichtig, der Pfalzgraf habe das Dorf Eich am Altrhein (Eyche off dem alden Ryne) von Heinrich zum Jungen, Schultheiß in Oppenheim, und seinen Ganerben bzw. seiner Witwe (1406?) mit allem Zubehör gekauft. Damit besitze der Pfalzgraf nun drei Bauhöfe, die Bede, gewisse Einkünfte und den Sandhof (Santhoffe) mit seinem Zubehör. Nun ganz unter kurpfälzischer Herrschaft wurde der mittelalterliche Hof Mitte des 15. Jahrhunderts mit Mauern und Ecktürmen umwehrt. Nach einem Vergleich des Jahres 1562 über gewisse Einkünfte, die das Wormser Stift St. Paul auf dem pfälzischen Hof zu Eich und auf dem Sandhof bei Ibersheim beanspruchen konnte, überließ das Stift 1603 seine dortigen Einkünfte ganz der Kurpfalz. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen Erweiterungs- bzw. Umbauarbeiten an der Umfassungsmauer vorgenommen worden zu sein (Jahresangabe 1592 über dem ehemaligen Bogen des Südeingangstor).
Die Kurfürsten von der Pfalz haben den Hof bzw. Teile davon wohl stets in Erbleihe an weltliche Herren vergeben. In Krisenzeiten dürfte der Hof auch von der umwohnenden Bevölkerung als Zufluchtsort genutzt worden zu sein.
Nach dem Einmarsch der Franzosen Ende des 18. Jahrhunderts endete die pfalzgräfliche Herrschaft, der Sandhof geriet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz.  
Baubeschreibung
Der mittelalterliche Hof wurde Mitte des 15. Jahrhunderts mit Mauern und Ecktürmen umwehrt. Darauf lassen die Mauerausführung und die beiden noch vorhandenen Ecktürme an der Nordseite schließen. Der nordwestliche Turm ist mit drei hochrechteckigen Scharten, der nordöstliche mit den Resten eines Zinnenkranzes versehen. Die Umfassungsmauer war 3 Meter hoch und 60 cm dick und war oben nach beiden Seiten schräg, mit zum Teil großen, in dieser Form bearbeiteten Steinen abgedeckt. Ein Wehrgang ist nicht nachzuweisen. Von einem Graben vor der Mauer, der bei Niederungsburgen anzunehmen ist, ist in dem intensiv landwirtschaftlich genutzten Bereich nichts mehr zu erkennen. Der noch leicht als Trapez zu rekonstruierende Mauerverlauf wird von neuzeitlichen Wohnhäusern und Wirtschaftsbauten teilweise verdeckt. Im Südosten sind die Mauern und die beiden anderen Türme verschwunden. Vom Südtor, an dessem Bogen sich ehemals die Jahreszahl 1592 befand, ist nur noch ein Torpfosten erhalten.
Ende des 19. Jahrhunderts waren nach Wörner (Spille KD WO 1887, S. 39f.) noch vier Ecktürme, das Süd- und Westtor und Mauern gut erhalten. Einzelne Gebäude lehnten sich auf die Mauern auf. Von den vier gleich gestalteten Ecktürmen war jener im Nordosten am besten erhalten. Er endete in sechs dachförmig abgedeckten Zinnen, deren Fuß durch ein eingesetztes dünnes Mauerstück erhöht war. Drei viereckige Scharten waren so in die Mauer eingebrochen, dass zwei von ihnen den Raum vor der Umfassungsmauer abdeckten. Der Südostturm war nur im unteren Teil erhalten, dem Nordwestturm, vor kurzem in einen Backofen umgebaut, fehlte der Zinnenkranz. Reste des Südwestturms waren in einer Scheuer vermauert.
Das Westtor bestand aus einem großen Bogen und einer kleinen Tür daneben, das Südtor nur aus einem Bogen. Über dem Bogen mit der Jahreszahl 1592 befand sich ein Zahnfries, darüber eine steinerne Aufmauerung statt des Daches. Die kleine Tür beim Westtor war rundbogig und durch Quadern hergestellt, die abwechselnd bis zum großen Bogen durchliefen. An dem Mauerwerk des Südtors befand sich innen eine im Grundriss dreieckige Verstärkung.

 

Namenbelege
1240 Sanden (StA Darmstadt, A2, Nr. 297/1-2); 1251 apud Sande (Dolch/Münch UOtterberg, 160 S. 130); 1253 Sand (Dolch/Münch UOtterberg, 177, S. 137); 1255 Sabulum (Dolch/Münch UOtterberg, 194, S. 145); 1283 Sandhof (StA Darmstadt, A 2, Nr. 207/4); 1316 curia zume Sande (Baur UHessen 2, 791, S. 791); 1330 curiamzum Sande (Baur UHessen 3, 976, S.45); 1330 hove zum Sande (Baur UHessen 987, S. 57); 1357 zu deme Sande ( Baur UHessen 3, 1291f., S. 302f.); 1357 zum Sande (Baur UHessen 3, 1298, S.389); 1418 Hofe zu Sand (Scriba R Hess. 3780); 1420 Hof zu Sand (Scriba R Hess 3804); 1422 hofen zu dem Sande (StA Darmstadt, A 2, Nr. 43/39); 1429 Santhoffe (Fabricius 1914, S. 192); 1562 Sandhof (StA Darmstadt, A 2, Nr. 43/49); vor 1583 curia […] que vocatur Sanden, hofe zu deme sande, gude zu deme sande (Luckas S. 103, Reuter-Matejka S. 281); 1583 Sandthof (Reuter-Matejka S. 281); 1603 Sandhof (StA Darmstadt, A 2, Nr. 43/55).

Von: (sg)