Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: K, Hessen Zuletzt aktualisiert: 28.09.2005

Keseburg

Östlich Ederbringhausen im Kreis Waldeck-Frankenberg

Burg Keseberg wurde wahrscheinlich im 11 Jahrhundert erbaut. Sie wird erstmals 1144 als Sitz der Vögte von Keseberg genannt (Dehio). Die Burgen Wildungen und Keseberg kommen 1186 durch die Heirat des Sohns des Landgrafen Ludwig II., des Grafen Friedrich von Wildungen, mit einer Tochter des Grafen Gozmar II. von Ziegenhain-Reichenbach an die Landgrafschaft Thüringen. Denn der Gemahl ihrer Tochter Sophia, Burggraf Burchard VI. von Magdeburg, verkaufte vor 1227 ohne Einwilligung seiner Ehefrau die Burgen Keseberg und Wildungen an Landgraf Ludwig IV. (den Heiligen) von Thüringen. Das mochten die Ziegenhainer so ohne Weiteres nicht hinnehmen. 1233 kam es zur Einigung zwischen Landgraf Konrad von Thüringen, der für seinen Bruder Landgraf Hermann das Hessenland verwaltete, mit dem Grafen von Ziegenhain über das ziegenhainische Erbe seines Oheims Graf Friedrich von Thüringen/Wildungen. Lukardis von Ziegenhain hatte Friedrich von Thüringen-Wildungen geheiratet und somit fiel Burg Keseberg an Hessen. Das Gericht Hofgeismar, in dem der Keseberg lag, blieb Mainzer Lehen der Vögte von Keseberg (Lennarz). 1240 erscheinen die Herren von Keseberg erstmals in der Umgebung des Mainzer Erzbischofs (BW 33,369) . 1244 wird in einem Gerichtsentscheid zwischen dem Kloster Haina und dem Landgrafen von Thüringen festgestellt: Der Grund und Boden auf dem Burg Keseberg steht ist landgräflich, die Umgebung gehört dagegen dem Kloster Haina (Anhalt). Nach dem Tod Heinrich Raspes versuchte Erzbischof Siegfried 1247 die mainzischen Lehen des Landgrafenhauses einzuziehen, doch der Landgraf bzw. die Verwandten des verstorbenen Burggrafen Burchhard von Magdeburg rückten die Burgen nicht heraus. Burchhards Witwe, Gräfin Sophia von Wildungen, hatte als eigentliche Erbin geplant, die Burgen dem Mainzer verkaufen und trat 1247 ihre Rechte an den Burgen Keseberg und Wildungen an den Erzbischof ab (BW 33,594). Praktische Folgen hatte diese Besitzübertragung nicht, da Gräfin Sophia nicht in der tatsächlichen Verfügungsgewalt der Burg war. So schlug der Plan, dem Landgrafen die Burgen auf diese Weise zu entreißen fehl, Burg Keseberg blieb landgräflich. Da sich die Vögte von Keseberg der hessischen Oberherrschaft widersetzten und sich mit den Ziegenhainer verbanden, zerstörte Landgraf Heinrich I. den Keseberg im Jahr 1277 (Gutbier) und verlieh noch im selben Jahr den Burgberg und die baulichen Reste der ehemaligen Doppelburg dem Kloster Haina zu freiem Eigen (Anhalt). Die Herren von Keseberg mussten Wohnsitz auf ihrem Hof in Hofgeismar nehmen, söhnten sich aber mit dem Landgrafen aus. Sie erbauten um 1328 Burg Hessenstein und wurden dort Burgmannen (Anhalt). 1360 gab Widekind, Vogt von Keseberg, sein Lehen, einen Teil des Amtes Hofgeismar, dem Mainzer Erzbischof Gerlach zurück (Vigener, Regesten 1281). Der Keseberg blieb aber für immer Ruine. Heute sind noch Reste der ovalen, durch einen Quergraben (nachträglich?) halbierten Hauptburg und der Stumpf des Bergfrieds zu sehen.

Quelle: Demandt, Hessen S.146; Knappe S.149; Lennarz S.114f.; Gutbier S.90; Reimer, Ortslexikon S.277; Dehio S.186; Anhalt S.31f.; Patze, Entstehung S.445

Literaturhinweis:
A. Heldmann: Die Vögte von Keseburg. In: Zeitschrift für Hessische Geschichte (ZHG) 25, S.1-54.

Von: (sg)