Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: P, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 30.08.2005

Pfalzgrafenstein

Auf der Rheininsel Falkenau bei Kaub

„Ein steinernes Schiff, ewig auf dem Rheine schwimmend, ewig angesichts der Pfalzgrafenstadt vor Anker liegend", so beschrieb Victor Hugo (1802 bis 1885) in seinem Tagebuch der Rheinreise die malerische Inselburg. Die Inselburg Pfalz oder Pfalzgrafenstein, zuweilen fälschlich Rheinpfalz oder Pfalzburg genannt, zählt heute zu den schönsten und malerischsten Architektur- und Landschaftsbildern Deutschlands.
Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten die Herren von Bolanden (-Falkenstein) eine Burg über ihrem Ort Kaub und versahen ihn mit einer Ortsumwehrung. Philipp II. von Falkenstein-Münzenberg verkaufte 1277 Kaub mit der Burg und dem Zollrecht an den rheinischen Pfalzgrafen Ludwig II. Seit dieser Zeit gehört Kaub zur rheinischen Pfalzgrafschaft.
1324 verlieh König Ludwig der Bayer dem Ort Kaub das Stadtrecht In einer überraschenden Aktion ließ Kaiser Ludwig der Bayer (1314-1347) zwischen August 1326 und Juli 1327 unweit Kaub den Pfalzgrafenstein errichten. Der Bau des Zollturms auf der Insel Falkenau schlug politisch hohe Wellen. Papst Johann XXII. schrieb 1327 dem Grafen Robert von Virneburg, er habe wegen des von Ludwig dem Bayern bei dem castrum Kaub errichteten Rheinzolles und dafür auf einer Rheininsel erbauten festen Turmes (turrem fortissimam, castrum turrem) Briefe an die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier gerichtet. Er ermahnt den Grafen, diese bei der geplanten Abstellung des Zolles und bei der Zerstörung des Turmes behilflich zu sein (Vogt 2854). Der Turm mit seinen sechs Stockwerken war bereits zwei Jahre später fertig. Er wurde fünfeckig erbaut, da die stromauf gerichtete Spitze als Flut- und Eisbrecher dienen sollte. Der König übergab die Burg seinen wittelsbachischen Verwandten in Heidelberg.
Die vom Papst und von den rheinischen Erzbischöfen angestrebte Zerstörung unterblieb, da Pfalzgrafenstein, Burg Gutenfels, Burg Stahleck und die Stadtbefestigungen von Kaub und Bacharach ein sich gegenseitig absicherndes pfalzgräfliches Befestigungssystem bildeten, das so einfach nicht aufgebrochen werden konnte.
1339 errichteten die beiden Pfalzgrafen Ruprecht d.Ä. und Ruprecht d.J. einen ewigen Burgfrieden für ihre Stadt Kaub und für Burg Pfallentzgrafenstein, die hier erstmals so genannt wurde. Die Pfalzgrafen bauten die Burg weiter aus. Zwischen ca.1338 und Ende 1342 wird Bauholz zum Ausbau des castrums Pfalzgrafenstein am Zoll in Ehrenfels abgefertigt (Otto 6035). Das Holz wurde für die Errichtung der sechseckigen 12 Meter hohen Ringmauer benötigt, die damals um den Turm hochgezogen wurde.
Im Jahr 1607 ließ Kurfürst Friedrich IV. die Außenmauer weiter erhöhen. Die noch heute erhaltene Mauer ist 2,60 Meter dick, 51 Meter lang, 21 Meter breit und 25 Meter hoch. Sie verfügt über zwei Wehrgänge mit Schießscharten und Freiflächen zum aufstellen von Steinschleudern. Im hinteren Turm befindet sich das Gefangenenverlies, das im wesentlichen aus einem tiefen Brunnen bestand. Auf dessen Wasserfläche schwamm ein Holzponton, auf dem die Kaufleute, die ihren Zoll nicht zahlen konnten, festgehalten wurden, bis jemand kam und sie auslöste. Zur Zollabfertigung hatte man bis zu 20 Zöllner beschäftigt, die von einem Hauptmann befehligt wurden.
1755 wurde die Burg noch einmal modernisiert. Damals wurden die Dächer durch zahlreiche Aufbauten und Gauben gegliedert, der Hauptturm erhielt eine barocke achteckige Haube.
Die Burg blieb bis zum Jahr 1803 unzerstört in pfalzgräflicher Hand. Auf der Südspitze der Bastion thront noch heute ein Löwe als Halter des pfälzischen Wappens (Kopie). Nach der Auflösung des pfälzischen Kurstaates fiel die Anlage zunächst an das Herzogtum Nassau. Berühmt wurde der Pfalzgrafenstein nochmals wegen Blüchers Rheinübergang. In den ersten Neujahrstagen 1814 ließ der preußische Feldmarschall von Blücher an dieser Stelle von russischen Pionieren eine Pontonbrücke aufschlagen. Über diese Brücke marschierte er mit 60.000 Soldaten, 20.000 Pferden und 220 Geschützen, um den nach Frankreich flüchtenden Napoleon zu verfolgen. Die "Pfalz" wurde 1866 preußisch. Das Königtum Preußen hob 1876 den Zollbetrieb auf und die letzten Zollbeamten gingen "von Bord". Seit 1946 ist sie im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz und wurde bis Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts als Signalstation der Rheinschifffahrt genutzt. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie komplett renoviert.

Baubeschreibung: Mit dem bastionsartig ausgebauten „Bug“ rheinaufwärts, dem stumpfwinklig gebrochenen „Heck“ rheinabwärts, gleicht die Pfalz einem mächtigen steinernen Schiff, dessen starker Mast der Hauptturm bildet.
Die Gesamtanlage hat sechs Geschosse. der Eingang befand sich ursprünglich im dritten Geschoss, seit dem 17./18. Jahrhundert ist er durch einen Backofen verbaut. Das dritte und das fünfte Geschoss sind tonnengewölbt. Eine Wendeltreppe befindet sich im Turmdreieck. Die achteckige Haube mit offener Laterne, nach Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, wird dem kurpfälzischen Hofbaumeister F. W. Rabaliatti aus Mannheim zugeschrieben. Die umgebende 12 m hohe Ringmauer verfügt über einen Wehrgang auf Rundbogenfries. Sie wurde wohl zwischen 1338-42 errichtet. Sie besitzt im Grundriss die Form eines langgestreckten Sechsecks von 51 m Länge und 21 m Breite; an den Ecken (bis auf die Südspitze) sind Rundtürme mit polygonalen Obergeschossen über den Wehrgängen platziert. 1607 wurde die Südspitze durch einen Bastionsvorbau in vorzüglicher Quadertechnik verstärkt. Im Innern befinden sich zwei gewölbte Geschosse und über reich profilierte Vorkragung ein Geschützstand mit Haubenlaterne. Außen an der Südspitze ist die Kopie eines barocken Löwen mit Pfälzerwappen (Original von 1607 im Städtischen Museum Wiesbaden) angebracht. Der Ringmauer sind inseitig umlaufende Steinarkaden (ähnlich denen am Hinterhaus der Amtsschreiberei) vorgelegt mit einem zweiten hölzernen, nach innen offenen Wehrgang. Ferner finden sich außen hölzerne Auslug-Erker mit geschweiften Giebeln. Der Eingang mit Fallgitter befindet sich an der Nordostseite, darüber ein kleiner verschieferter Fachwerkbau, ehemals die Wohnung des Kommandanten. Die vorgebauten hölzernen Wehrerker, die ansonsten an kaum einer Burg unseres Gebietes noch erhalten sind, geben eine Vorstellung vom ursprünglichen Aussehen vieler Wehranlagen im Mittelalter. Die barocke Farbfassung (rot und weiß) wurde 1970/71 wiederhergestellt.

Quelle: Dehio S.437; Bornheim gen. Schilling, Burgen und Schlösser S.39; Backes: Staatliche Burgen S.144; Lotz S.364; Tillmann S.798; Bolle; Krämer; Ohrenschall, loreleytal.com; burgenwelt.de

Literaturhinweise:
Karl Rossel: Geschichte des Pfalzgrafensteins. In: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 46 (1869), S.54-80.
Weidenbach: Die Burg Caub oder Gutenfels und der Pfalzgrafenstein. In: Nassauische Annalen 9 (1868), S.277-329.
Karl Hahn: Die "Pfalz" im Rhein bei Kaub. In: Nassovia 11 (1910).
Karl Hahn: Die Pfalz und der Pfalzgrafenstein bei Kaub. In; Nassauische Blätter 9 (1927)

Von: (sg)