Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: N, Hessen, Mainzer Erzbischöfe, Hessische Landgrafen Zuletzt aktualisiert: 29.07.2005

Naumburg/Hessen

Naumburg im Habichtswald

Die Burg wurde Anfang, nach anderer Ansicht in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts von den Grafen von Naumburg (erstmals 1170 bezeugt) erbaut, die damals auf der Burg Weidelberg gewohnt haben sollen. Burg Naumburg wurde 1182 erstmals urkundlich erwähnt.
Im Schutz der Burg entstand ein Dorf. 1207 ist die villa nova ante castrum Nuweburch genannt. Der Ort erhielt 1260 Stadtrechte. 1265 starb Graf Volkwin von Naumburg. Sein Bruder handelte nun als Sachwalter der noch minderjährigen Söhne (Knappe). 1265 verkaufte Widekind II. von Naumburg, Domherr in Halberstadt, dem Landgrafen Heinrich I. von Hessen auf Wiederkauf seine Hälfte und als Vormund den Anteil seiner Neffen an den Burgen Naumburg und Weidelberg (Happel; Demandt; Patze). Der Kauf kam aber nicht zustande; denn 1266 verkaufte der Naumburger, die halbe Burg und Stadt Naumburg und die halbe Weidelberg sowie das landgräfliche Gericht an der Hainbuche an den Mainzer Erzbischof Werner. Für die naumburgische Hälfte erwirkte der Mainzer das Vorkaufsrecht (BW 2, S.367 Nr.153). Offensichtlich hat der Erzbischof später auch diese Hälfte erworben.
Nachdem ein Versuch, die Burgen käuflich zu erwerben, fehlgeschlagen war, besetzte und zerstörte Landgraf Heinrich I. zusammen mit der Gräfin Mathilde von Waldeck und Herzog Albrecht von Braunschweig im Jahr 1273 die Burgen Naumburg, Weidelberg, Heiligenberg, Staufenberg, Gemünden und die Wenigenburg in Amöneburg (BW 2, S.382 Nr. 283; Demandt). Der Mainzer Erzbischof sprach erbost den Kirchenbann über Heinrich aus und erwirkte beim soeben gewählten König Rudolf von Habsburg die Verhängung der Reichsacht über den Landgrafen. Bezüglich der Naumburg wirkte diese Taktik, denn der Landgraf gab die Naumburg 1280 zurück. Der Erzbischof ließ die Schäden an der Burg beseitigen und stellte wenig später im Rahmen eines Bündnisses dem Landgraf Heinrich in Aussicht, ihm die Naumburg als Pfandburg zu überlassen (Vogt 307). Ob dies geschah, ist nicht überliefert, im Jahr 1299 war die Naumburg auf alle Fälle wieder mainzisch (Vogt 565).
Nicht nur die Burg hatte für die Herren des Landes strategischen wert. Auch das zur Burg gehörende Gut weckte die begehrlichen Augen manches Herrn. So einigte sich Graf Heinrich von Waldeck 1313 mit Erzbischof Peter über verschiedene Streitfragen. Auf den Besitz des Waldes zwischen den Burgen Waldeck und Naumburg, der grundrechtlich zu Burg und Stadt Naumburg gehörte, wollte Heinrich keine Ansprüche mehr erheben. Sollte von anderer Seite eine Entscheidung über den Wald verlangt werden, sollte diese nach Landesgewohnheit durch landsceide erfolgen. (Vogt 1607)
Doch auch die Burg selbst blieb bis ins 15. Jahrhundert zwischen Mainz und Hessen umstritten. 1338 schloss Erzbischof Heinrich mit Landgraf Heinrich einen dreijährigen Frieden. Wer gegen den Vertrag verstieß musste 500 Mark lötiges Silber Strafe zahlen. Als Unterpfand stellte der Mainzer Burg und Stadt Naumburg, der Landgraf Homberg (Otto 4123). In den 40er Jahren des 14. Jahrhunderts verpfändete Erzbischof Heinrich das Amt Naumburg mehrfach, u.a. 1345 einen Teil an Graf Otto von Waldeck (Otto 5298; Vigener 673 zum Jahr 1356), den anderen Teil an Thilo von Elben, von dem er 1384 an die von Hertingshausen kam. Noch 1357 ist das Amt den beiden verpfändet (Vigener 894).
Am 5.6.1400 war Friedrich von Hertinghausen an der Ermordung des Herzogs von Braunschweig beteiligt. Im Verlauf der Strafaktion wurde Naumburg 1402 (1403) vergeblich belagert.
Erzbischof Konrad und Graf Heinrich von Waldeck besaßen 1422 Naumburg gemeinsam. In diesem Jahr machte der Graf den hessischen Lehnsmann Bertold von Hertingshausen zum Amtmann über seine Teile (Auener).
Als Berthold von Hertingshausen, sein Bruder Hermann und ihr beider Schwager Reinhard von Dalwigk dem Waldecker das ihm zustehende Öffnungsrecht versagten, verbanden sich die beiden Burgeigentümer mit dem Versprechen, wenn nötig mit Waffengewalt ihre Ansprüche geltend zu machen (Auener). Sie machten Ernst. 1443 und 1448 wurde die Burg von mainzischen und hessischen Truppen belagert und erobert, blieb aber im Besitz der Hertingshausen, die zur Strafe lediglich auf den Besitz der Burg Weidelberg verzichten mussten. 1544 löste Graf Philipp d.Ä. von Waldeck die Naumburg ein und die von Hertinghausen mussten nach 200 Jahren Pfandherrschaft die Burg verlassen. 1588 wurde die Burg wieder vom Mainzer Erzbischof übernommen und mit Amtleuten besetzt. Sie wurde 1626 von hessischen und braunschweigischen Truppen zerstört, brannte 1684 bis auf ein Haus ab. Die Ruine (nach 1626 als Steinbruch benutzt) blieb bis 1802/1803 mainzisch und fiel nach der Auflösung des Kurstaates an das Herzogtum Hessen. Von der Burg sind heute nur noch wenige Mauerreste und Geländespuren zu erkennen.

Quelle: Grathoff, Erzbischofsburgen; Dehio S. 641; Happel S.8; Auener S.102; Demandt, Hessen S.153, 239f; Patze; Entstehung S.443; Reimer S.343; Maurer, Rechtsverhältnisse S.98; Falck, Klosterfreiheit S.48; Knappe S.32; Weidemann S.418.

Von: (sg)