Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: S, Thüringen Zuletzt aktualisiert: 23.07.2005

Salza/Thüringen

Bad Langensalza in Thüringen

Um 800 wird der Ort Salzaha erstmals erwähnt. der Ort war damals im Besitz der Abtei Hersfeld. Ursprünglich war Langensalza aber wohl Reichsgut. Den Ausbau Langensalzas besorgten die Herren von Salza. Sie hatten sich als Sitz die Burg Dribogk erbaut und den Ufhoufe gekauft (Düringische Chronik) und befestigt. Burg Ufhoven war die dritte der aus drei Burgen bestehenden Befestigungsanlage der Dryburg (Regesten Salza).
1211/12 belagerte Herzog Otto IV. von Braunschweig im Streit mit den thüringischen Landgrafen die Dryburg der Herren von Salza, da sie sich – so hieß es – nicht an den Geist und die Vorgaben des Landfriedens hielten. Die von Salza ergaben sich der Gnade Kaiser Ottos. Gunther von Salza durfte Burg Ufhoven behalten und bekam dazu noch Döllstädt und Ufhoven (Regesten Salza S.92; siehe dazu unten den Kommentar von Dieter Deubner). Die Herren von Salza begannen Langensalza, das wenig später zur Stadt erhoben wurde, zu ummauern. 1272 stifteten der Vogt Gunther von Salza und seine Familie ein Hospital außerhalb Langensalzas. 1307 waren die Herren von Salza im freien Besitz Langensalzas und des befestigten Hofs Ufhoven, der als Lehen des Klosters Hersfeld bezeichnet wurde. Ufhoven war in dieser Zeit aber dem Landgrafen von Thüringen verpfändet (Regesten Salza).
1320 verbündeten sich die Brüder von Salza auf fünf Jahre mit der Stadt Erfurt. Die von Salza mussten aber nicht gegen den Erzbischof und den König zu Felde ziehen. Seit 1333 betrieb der Mainzer Erzbischof Balduin eine offensive Politik in Langensalza. Das Mainzer Erzstift hatte schon früher über das unter mainzischem Schutz stehende Kloster Homburg ersten Einfluss auf die Verhältnisse in Langensalza gewonnen. Balduin erreichte nun 1333, dass ihm Heinrich von Salza Burg und Stadt Langensalza als Offenhaus zur Verfügung stellten. Der Mainzer durfte Burg und Stadt für jegliche Aktionen nutzen, er durfte aber nichts gegen die Verwandten derer von Salza, den Markgrafen von Meissen und Hartung von Erfa unternehmen. 1336 wird Heinrich von Salza Helfer Erzbischof Balduins, als dieser sich mit der Stadt Erfurt stritt. Diesmal durfte der Mainzer die Burgen der Herren von Salza auch für Aktionen gegen Erfurt verwenden.
Balduins Nachfolger Erzbischof Heinrich versuchte seit 1339, durch Einflussnahme in Kirchenfragen, die Geschicke in Langensalza mitzubestimmen. 1341 nahm der Mainzer die Brüder Heinrich, Günther und Friedrich von Salza mit ihren Burgen Bessingen, Döllstädt und Ufhoven in seinen Schutz (Regesten Salza S. 207). Im Februar 1342 übergab Herzog Heinrich von Braunschweig dem Mainzer Erzbischof Heinrich die mannschaft, die er an Burg und Stadt Langensalza besaß. Diese Mannschaft trugen Heinrich und Johann von Salza zu Lehen. Der Braunschweiger forderte seine Mannen auf, von nun an dem neuen Herrn den Lehnseid zu schwören. Im September des gleichen Jahres kaufte Erzbischof Heinrich den Brüdern von Salza eine Hälfte von Burg und Stadt Langensalza ab. Im November 1342 wurde der Vertrag rechtskräftig: Damit war der Mainzer Mitherr in der Stadt. Ausdrücklich ausgenommen von mainzischen Besitzansprüchen waren der Burgsedel am Tor in der Vorburg, einige Güter, Burg Ufhoven (vgl. Regesten Salza S. 208, 211) sowie das Haus in der Burg, mit der seit alters her abgesteinten Flur und dem daran hängenden Recht. Im Bedarfsfall standen aber auch diese Besitzungen Mainz als Offenhaus zur Verfügung. Die beiden verpfändeten salzischen Burgen Bessingen und Döllstädt sowie den Sitz der Brüder von Salza, Burg Ufhoven, nahm der Erzbischof in seinen Schutz. Er durfte den Ufhoven als Offenhaus nutzen und hatte auf die Feste ein dreimonatiges Vorkaufsrecht. Nach der Übernahme der Burg Langensalza besetzte der Mainzer Burg und Stadt mit Burgmannen und erwarb das fehlende Viertel hinzu, um sie - wie er ausführte -, nicht in die Hände von einigen kaufwilligen thüringischen Mächtigen geraten zu lassen. Am 27.1.1343 lieh sich Erzbischof Heinrich bei seinem Burggrafen in Böckelheim, Ritter Emich von Sponheim, Geld für die Bezahlung des Kaufpreises von Langensalza und überließ dem Sponheimer dafür Burg und Amt Böckelheim für weitere drei Jahre. Anfang des Jahres 1343 hatte der Erzbischof bereits mehr als die Hälfte der Kaufsumme bezahlt und Ende 1344 scheint die gesamte salzische Hälfte von Burg und Stadt Langensalza mit finanzkräftiger Hilfe des Domkapitels nun auch de jure in erzbischöflichen Besitz gelangt zu sein. Der Erzischof besetzte Burg Dryburg mit seinen Leuten und weigerte sich, dem thüringischen Landgrafen irgendwelche Rechte einzuräumen. Dieser intervenierte und im Zuge der sog. Thüringischen Grafenfehde kam es 1346 mehrmals zu Kämpfen um die Burg. Der Landgraf setzte der mainzischen Besatzung auf der Dryburg solange mit Bliden zu, bis der Erzbischof einen Vergleich anbot und es zur Burgteilung kam (Regesten Salza S.154).
Die landgräflichen Bemühungen zeigten noch mehr Erfolg, als sich 1347 die Brüder von Salza der Jurisdiktion des Landgrafen Friedrich unterwarfen und ihm ihre Burgen öffneten (Regesten Salza S. 227). 1348 traf der Mainzer Stiftzsverweser Kuno von Falkenstein mit den Brüdern Heinrich und Burghard von Hanstein bezüglich der Verpfändung der Burg (Bischofs)Stein (16.1.1341) finanzielle Übereinkünfte. Für eine weitere ihm geliehene Summe erhielten die Brüder nun Burg, Stadt und Amt Langensalza als Pfand überreicht. Damit galten alle Forderungen an Mainz als abgegolten (bis auf jene bezüglich Burg Melnau).
Am 28.1. 1349 verpfändete der Mainzer Stiftsverweser Kuno von Falkenstein „für erlittenen Schaden im Dienst des Erzstiftes in Thüringen und vor Langensalza (zu zweien malen) die Wenigenburg in Amöneburg. Erzbischof Gerlach versprach 1349 den Edelherren Johann und Friedrich von Salza als Entgeld für ihre Dienste und die Öffnung der Burg Wächtersbach den Schutz des Erzstiftes. Als Landgraf Friedrich 1349 starb, folgte ihm sein Sohn Friedrich (der Strenge). 1350 sühnte sich Erzbischof Heinrich mit Markgraf Friedrich von Meißen und beendete damit die Thüringische Grafenfehde. Der Markgraf gab seinem ehemaligen Widersacher die halbe Burg Mühlberg zurück. Burg und Stadt Langensalza sollten Erzbischof und Markgraf gemeinsam gehören, ebenso Burg Ufhoven. Bei eventuellen neuen Streitigkeiten zwischen beiden Parteien sollten Langensalza, Harburg, Gericht Worbis und Hof Gerterode(?) neutral bleiben (Otto 5847). Das Sagen auf der Burg Langensalza hatte in dieser Zeit die Herren von Hanstein, denn diese versprachen 1351, Erfurt von ihren mainzischen Lehnsburgen Hanstein, Fritzlar, Langensalza, Harburg, Sababurg und (Bischofs)Stein nicht zu schädigen (Otto 5921). 1356 ordnete Erzbischof Gerlach die Verhältnisse in Langensalza auch mit dem Landgrafen von Thüringen. Die Burg wird in dieser Einigung nicht erwähnt (Vigener).
1356 schlossen sich Jacobstadt, Neustadt und Altstadt zusammen und bilden einen gemeinsamen Rat. Jetzt wurde die Stadtmauer begonnen und mit sieben Toren und mehr als 30 Türmen aussgestattet.
Erzbischof Gerlach bekundet 1358, dass Erzbischof Heinrich III, der von 1328-1353 amtierte, seinerzeit ein Drittel des erzbischöflichen Teils an Burg und Stadt Langensalza den Herren von Stotternheim verpfändet hatte. Zusätzlich versetzt der Gerlach den Stotternheimern nun zwei Drittel des Amtes Langensalza.
Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt zwischen April 1361 und Ende April 1367 werden Klagen gegen Herzog Ernst von Braunschweig erhoben, ua. wegen eines Übergriffe von Münden aus auf Burg Ufhoven vor Langensalza. Zwischen Juli 1362 und 24. Mai 1365 werden auch Klagen gegen die Herren von Salza bezüglich der Burgen Döllstädt, Ufhoven und Mühlberg laut.
1363 versuchte der Mainzer Erzbischof Gerlach ein Drittel des erzbischöflichen Teils von Langensalza von den Herren von Stotternheim auszulösen. Anscheinend hatte sich der Mainzer mit dem Ankauf der gesamten Herrschaft Langensalza auch finanziell überhoben. Am 14.4.1363 bekannt er, immer noch 8000 kleine Gulden für den Ankauf des Teils des Johanns, seines mittlerweile verstorbenen Bruders Friedrich von Salza und ihren Erben schuldig zu sein. Er schlug eine Ratenzahlung gegen Einlager seiner Bürgen in Wertheim bzw. Verpfändung von zwei Dritteln der Gamburg und Burg und Stadt Külsheim bzw. ersatzweise der Burg und Stadt (Tauber)Bischofsheim vor. Seit 1364 versuchte der Landgraf erneut in Langensalza Fuß zu fassen. Er veranlasste die Brüder Friedrich, Johann und Friedrich, einen Teil der Herrschaft an ihn zu verkaufen (Regesten Salza 216). Damit war Langensalza, auch die Burg, im gemeinsamen Besitz des Mainzer Erzbischofs und des Landgrafen.
Im Jahr 1400 trat Erzbischof Johann seine Ansprüche auf die halbe Burg und Stadt Langensalza sowie an Burg und Dorf Ufhoven an Landgraf Balthasar von Thüringen und seinen Sohn Friedrich (Regesten Salza 299). Im Jahr 1402 wird Burg Ufhoven als Hersfelder Lehen im Besitz des Landgrafen von Thüringen genannt (Regesten Salza 305, 306). Landgraf Friedrich belehnt 1407 Hermann von Salza, dem Herrn zu Döllstädt, mit Gütern zu Salza und einem Viertel der Burg Döllstädt (Tulstete) sowie Burg und Dorf Ufhoven, wie er dies als Lehen von der Abtei Hersfeld trägt (Regesten Salza 313).

Heute ist die das Gebäude der ehemaligen Dryburg das älteste erhaltene Wohngebäude der Stadt. Der romanische Bau hat viele Veränderungen erfahren. Der Turm an der Nordwestecke verschwand. 1746-75 war die Burg Witwensitz der letzten Herzogin von Sachsen-Weißenfels. Späterhin war sie Amtsgebäude. 1899 brannte der große Flügel an der Nordseite ab. Ab 1927 wurde die Dryburg städtisch und wurde 1949 - 1996 als Stadtbibliothek genutzt. Von der ehemaligen Burg Ufhofen, die ca. 1000 Meter südwestlich der Altstadt im Bereich des späteren Gutes gelegen hat, sind nur noch geringe Mauerreste vorhanden.

Quelle: Grathoff, Erzbischofsburgen; www.info-langensalza.de

Literaturhinweise:
H. Fiedler und A. Schmidt: Langensalza. Eine Heimatschrift zur 600-Jahrfeier der Stadt Langensalza. Langensalza 1956.
Urkundenbuch der Stadt und des Kreises Langensalza während des Mittelalters. Hg. von A. Wenzel. Band 1: Bis zur Erhebung zur Stadt. Langensalza 1908.
G. Schütz und H. Schütz: Chronik der Stadt Langensalza und der umliegenden Orte. Langensalza 1901.

Von: (sg)