Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: F, Hessen Zuletzt aktualisiert: 01.07.2005

Falkenberg/Wabern

Südöstlich Wabern, südöstlich Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis)

Konrad von Hebel erbaute die Oberburg Falkenberg, die 1250 erstmals erwähnt wird. Die von Hebel nannten sich seit 1270 nach ihrem neuen Stammsitz. Im Zuge der Burgentwicklung entstand auch das Dorf bei der Burg. Wegen der bedrohlichen politischen Zustände, waren die Falkenberger gezwungen, die Oberburg im Jahr 1309 Landgraf Johann von Niederhessen zu Lehen aufzutragen. Gleichwohl betrieben die Falkenberger eine Schaukelpolitik, um nicht zwischen den kurmainzischen und landgräflich-hessischen Schachzügen zerrieben zu werden. Die Unterburg war hersfeldisches Lehen der Herren von Hebel.
Der Scholaster Hermann von Gruna und Hermann von Falkenberg, Kanoniker der Fritzlarer Kirche, der Ritter Johann von Falkenberg, die Edelknechte Konrad Hebel und Thilo, Brüder und Herren auf Falkenberg wurden 1321 erzstiftisch-mainzische Burgmänner in der Stadt Fritzlar. Im Gegenzug stellten sie dem Mainzer Erzbischof ihre Burg Falkenberg als Offenhaus zur Verfügung (Vogt 2250). 1322 erneuerten die Herren ihre Abmachung gegenüber dem neuen Erzbischof Mathias (Vogt 2340).
Berühmtester Vertreter seines Stammes war der mainzische Amt- und Burgmann Johann Gruszing von Falkenberg. Der 1336 seine Stammburg dem Mainzer Erzstiftsverwalter Balduin von Luxemburg öffnete (Otto 3534); ebenso erneuern die Edelknechte und Brüder Thilo und Hermann von Falkenberg 1338 die Öffnungsverpflichtung (Otto 4116).
Die Landgrafen von Hessen mochten sich nicht damit abfinden, dass der Mainzer sich auf der Burg eingenistet hatte. 1347 pochten die Landgrafen nun ihrerseits auf eine Lehnsherrschaft bezüglich der Burg Falkenberg und erreichten gegenüber dem Mainzer Erzbischof zumindest, dass dieser sich verpflichtete, die Burg nicht militärisch nicht gegen die Landgrafschaft einzusetzen (Otto 6162, 6166). 1354 gab Erzbischof Gerlach dann alle Ansprüche auf Burg Falkenberg sowie die Burgen Falkenstein und Hessenstein auf (Vigener 129). Noch 1354 verpfändete Johann Gruszing von Falkenberg die halbe Burg Jesberg, die er selbst vom Mainzer Erzstift als Pfandburg hielt, dem Ritter Tile von Falkenberg (Vigener 206). Erzbischof Gerlach „versetzte“ Johann Gruszing wenig später nach Densberg, wo dieser 1355 die Burg wieder aufbauen ließ. Auch hier protestierte der hessische Landgraf Heinrich gegen diese Aktivitäten des Mainzers (Vigener 373) Obwohl er Burg Falkenberg verloren hatte, versuchte der Erzbischof „im Spiel“ zu bleiben. 1356 zeigte Erzbischof Gerlach Verständnis dafür, dass die Ritter Thile und Hermann von Falkenberg ihm mit ihrer Burg nicht mehr helfen ("gewarten") konnten, da sie sie im Einsatz für das Erzstiftes ohne eigene Schuld verloren an den Landgrafen verloren hatten und nun ihm "gewarten" mussten (Vigener 561). 1358 schlichtet Erzbischof Gerlach einen Streit zwischen Otto und Johann Gruszing von Falkenberg einerseits und Ritter Tile von Falkenberg andererseits (Vigener 1104). Der Familienzwist scheint eskaliert zu sein oder der Mainzer hatte einen neuen Versuch unternommen, seine verlorene Stellung in Falkenberg zurückzugewinnen, denn 1358 werden im Bereich der Burg Falkenberg kriegerische Handlungen bekannt, in deren Verlauf die Burg größeren Schaden nahm (Vgl. Vigener 1039; Dehio S.224).
1359 war Johann Gruszing von Falkenberg immer noch damit beschäftigt, für Erzbischof Gerlach in Densberg eine Burg zu erbauen (Vigener 1236). Im Jahr 1362 werden Klagen über Burg Löwenstein, Falkenberg und Kogelberg zwischen dem Erzbischof und Landgraf gerichtet (Vigener 1464).
Im Juni 1364 zeigten die beständigen Versuche Erzbischof Gerlachs Erfolg. Heinrich von Hanstein besetzte im Dienste des Mainzers Burg Falkenberg. Er verhielt sich aber sehr eigenmächtig und vertrieb den mainzischen Burgmann Konrad von Falkenberg samt dessen Gesinde von der Burg, die damit dem Erzbischof erneut entrissen war (Vigener 1803). Der Streit zwischen Landgraf und Erzbischof um Burg Falkenberg wurde im August 1364 erneut ohne Ergebnis verhandelt (Vigener 1827). Im Mai 1365 forderte Erzbischof Gerlach den Landgrafen Heinrich von Hessen auf, Johann Gruszing von Falkenberg wieder zu seiner Burg zu verhelfen, wie dies 1354 (Vigener 129) vereinbart worden war (Vigener 1947). Diejenigen, die die mainzische Partei von Falkenberg aus beraubt haben, sollten Schadensersatz zahlen (Vigener 1948, 2048). Die Landgrafen – so hieß es - hätten dem Ritter Johann Gruszing dessen Teil der Burg während der Kämpfe um die Burgen Densberg, Jesberg und Falkenberg widerrechtlich abgenommen.
Im Sternebund 1372/74 standen die Falkenberger erneut gegen Landgraf Hermann von Hessen, 1374 wurde Werner von Falkenberg dann mainzischer Oberamtmann für den Bereich in Hessen.
1442 begannt die Burg baufällig zu werden. Mit der Erbauung des Schlosses Anfang des 16. Jahrhunderts (1613/16) wurde die Burg aufgegeben und verfiel.

Quelle: Grathoff, Erzbischofsburgen; Dehio S.224; Knappe S.89f.; Reimer S.134; Landau, Ritterburgen 3 S.39-101; Martini, Lehnshof 16f.

Literaturhinweise:
Eduard Brauns: Burgruine Falkenberg bei Wabern. Die Geschichte der alten Oberburg und der neuen Unterburg. In: Neue hessische Zeitung 86 (1976), Nr.44 vom 3. November.
Reinh. Hootz: Burg und Schloß Falkenberg. Ergänzung zu Dehio-Gall, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. In: ZHG 67 (1956).
Phil. Losch: Falkenberg. In: Hessenland 39 (1927)

Von: (sg)