Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: T, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 01.07.2005

Tanstein

Der Tanstein ist eine der drei Dahner Burgen südöstlich Pirmasens

Burg Tanstein, neben Burg Alt-Dahn [siehe dort] der wohl älteste Bauteil auf den Burgfelsen über der Stadt Dahn, entstand zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt im 13. Jahrhundert als Lehensburg der Speyerer Kirche. Zwar wird eine Burg in Dahn bereits 1285 genannt, doch ist es in der Frühzeit nicht immer möglich, die unterschiedslos „Than“ genannten Burgen Alt-Dahn, Neu-Dahn, Grafendahn und Tanstein von einander zu scheiden. Aus einem 1288 geschlossenen Burgfrieden [siehe Neu-Dahn] geht aber hervor, dass anscheinend auch der Tansteiner Burgfelsen schon seit geraumer Zeit bebaut war.
Im Jahr 1327 ließ Johann III. der Junge von Dahn (1327-1365) den Felsen der später Tanstein genannten Burg wohnlich ausbauen. 1338 kaufte Johann III. die damals schon als alt bezeichneten Burgteile des Ritters Johann von Wasigenstein auf dem Ostfelsen des Tansteins und nahm sie ebenfalls von Bischof Gerhard von Speyer (1336-1363) zu Lehen. Einem Eintrag im ältesten Lehenbuch des Hochstiftes Speyer zufolge, das um 1340 abgefasst wurde, bewohnte der Edelknecht Walter II. von Dahn gen. Knehtelmann (gen. 1343-1345) den Tansteiner Westfelsen, sein Bruder Johann III. nach wie vor den Ostfelsen. 1345 übernahm Johann III. beide Burgfelsen, ein Jahr später erscheint der Burgname Dankenstein erstmals in den Quellen.
1365 erbte Heinrich IX. (gen. 1350-1372) den Tanstein, 1397 ist sein Sohn Johann VII. (gen. 1372-1403) als Herr auf Alt-Dahn, Neu-Dahn und Tanstein bezeugt. 1403 belehnte der Speyerer Bischof Heinrich X. (gen. 1378-1432) mit den drei Burgen, 1432 dessen Neffen, die Brüder Friedrich IV. und Heinrich XI. Da sich die Brüder wegen des Erbes zerstritten, konnte Heinrich XI. (gen. 1417-1446) erst nach dem Tod des Bruders die Lehnsnachfolge antreten. Ihm folgten 1464 Nikolaus I. (gen. 1446-1488) und 1488 Ulrich III. von Dahn (gen. 1447-1508). Anlässlich dessen Belehnung durch Bischof Ludwig (1478-1504) erhob sein Vetter Ludwig I. (gen. 1480-1519) Ansprüche auf einen Teil der Burg Tanstein. Nachdem Schlichtungsversuche des Speyerer Bischofs gescheitert waren, entschied 1501 ein Schiedsgericht, dass die Lehen ungeteilt bei Ulrich III. verbleiben sollten.
Nach Ulrichs III. Tod (1508) traten die noch minderjährigen Söhne seines verstorbenen Bruders Philipp I. (gen. 1447-1489) in die Erbfolge ein. Nach einer Vormundschaftsverwaltung erhielt 1512 Heinrich XIII. (gen. 1489-1526) Burg Tanstein. Heinrich XIII. war Anhänger Franz von Sickingens und wurde mit seiner Burg in die Kämpfe während der Sickinger Fehde (1525-1544) verwickelt. Den Sickinger hatte bereits sein Schicksal ereilt, als Truppen Pfalzgraf Ludwigs V., des Trierer Erzbischofs Richard von Greiffenclau und des Landgrafen Philipp von Hessen im Jahr 1525 vor Burg Tanstein erschienen. Da man den Speyerer Bischof als Eigentümer des Tansteins nicht verärgern wollte, verzichtete man auf eine Zerstörung der Burg, Heinrich XIII. musste sie aber dem Trierer Erzbischof kampflos überlassen. Erst 1544 gab Trier die Burg an das Haus Dahn zurück. Sie wurde je zur Hälfte an Hans III. Jakob (gen. 1539-1566) sowie treuhänderisch dem Wolfgang Wickersheim, Amtmann in der Pflege Kochersberg, übergeben. Der Amtmann fungierte als Vormund der unmündigen Halbbrüder des Hans III. Jakob, nämlich Reinhard I. (gen. 1539-1559), Philipp II. (gen. 1539-1589) und Simon II. Wecker (gen. 1539-1593).
Die unglückliche Verstrickung Heinrichs XIII. in die Sickinger Fehde hatte für die Familie Dahn katastrophale Folgen. Seit 1525 häuften sich die Verpfändungen und Verkäufe von Besitzungen und Rechten des verarmenden Geschlechts.
1561/62 ernannte das kaiserliche Reichskammergericht Vormünder für die noch unmündigen Erben. Alt-Dahn, Neu-Dahn und Tanstein, die Eigengüter sowie die anderen Dahner Lehen übernahm kommissarisch Hans III. Jakob von Dahn zu Tanstein. Nach seinem Tod 1566 wurden Alt-Dahn, Neu-Dahn und Tanstein unter seinem Stiefbruder Philipp II. von Dahn und seinen Vettern Johann IX. Christoph (gen. 1560-1587), Ludwig II. (gen. 1561-1603) und Sebastian von Dahn (gen. 1561-1567) aufgeteilt. Kommissarisch empfing Anfang 1567 Philipp II. als ältester die Herrschaft aus den Händen Bischof Marquards von Speyer. Als die anderen Erben 1571 die Volljährigkeit erreicht hatten, wurde das Lehen erneut aufgeteilt. Philipp II. von Dahn blieb auf Alt-Dahn. Da Sebastian vor 1571 gestorben war, teilten seine Brüder: Johann IX. Christoph bekam die Herrschaft Neu-Dahn, Ludwig II. die Herrschaft Tanstein.
Während Burg Neu-Dahn gut erhalten war und dank des reichen Burgzubehörs ein angemessenes Auskommen ermöglichte, verließ Ludwig II. die bereits stark verfallende Burg Tanstein. Er zog in sein neu erbautes Schloss in Burrweiler. Nach dem Tod seines Bruders Philipp II. von Dahn zu Alt-Dahn (1589 letztmals genannt) und nachdem Johann IX. Christoph von Dahn zu Neu-Dahn wohl ebenfalls verstorben war (letztmals 1587 genannt), trat der greise Simon II. Wecker im Jahr 1589 als Lehenserbe die Herrschaft auf beiden Burgen an. Die weiter entfernt gelegenen Dahner Besitzungen, namentlich die Herrschaft Geisberg überließ er dem Sohn seines Vetters Ludwig II. von Dahn zu Tanstein. Als Simon II. Wecker als letzter der Alt-Dahner Linie im Jahr 1593 starb, heiratete Ludwig II. Sibylla, die Tochter Philipps II., die Alleinerbin der Alt-Dahner Linie. So kamen die Burgen Alt-Dahn, Neu-Dahn und Tanstein noch einmal in der Hand Ludwig II. zusammen. Freilich war der Besitz schon so hoch verschuldet, dass die Erben von Seiten seiner Schwester freiwillig auf ihre Erbansprüche verzichteten. Ludwig II. von Dahn residierte weiterhin auf seinem Schloss Burrweiler, und blieb bis zu seinem Tod 1603 dort wohnen. Burg Tanstein, unbewohnt und verlassen, blieb Ruine.

Baubeschreibung:
Die beiden Burgfelsen der Burg Tanstein waren ursprünglich nur über einen für Felsenburgen typischen hoch liegenden Eingang am Ostfelsen mit einer hölzerne Treppenkonstruktion zu erreichen. Die Löcher, in denen diese Treppe an der Türschwelle befestigt war, sind noch deutlich zu erkennen. Auf dem heute nicht mehr zugänglichen Plateau des Ostfelsens befindet sich eine 31,60 Meter tiefe Zisterne. Den Graben zwischen dem Ost- und Westfelsen überspannte zu einer nicht näher einzugrenzenden Zeit eine Brückenkonstruktion, deren Befestigungspunkte auf beiden Felsen noch erkennbar sind. Ob die Mauer im Graben zwischen den Felsen, von der nur noch geringe Reste erhalten sind, eine Trennmauer darstellte oder als Auflage für die Brücke diente, ist nicht zu sagen. In späterer Zeit bekam der Westfelsen dann einen separaten Eingang an der Westseite. Am Fuß des Westfelsens befand sich die „Werkstatt“, von der nur noch Reste der Grundmauern erhalten sind. Unter den mit Gras bewachsenen Hügeln innerhalb des Geländes befinden sich ein Schmelzofen, in dem früher Eisen gewonnen wurde (Burgschmiede), und zwei Brennöfen, in denen die Burgbewohner ihre Keramik brannten. Am Rande finden sich die Reste einer Filterzisterne, die wegen des anstehenden Felsbodens eine seitlich angebaute Filterkammer hatte. Oben auf dem Westfelsen ist eine große in den Fels gehauene Zisterne zu sehen, die einst von einem Gewölbe überdacht war. Man leitete das Wasser über Röhrenleitungen von den benachbarten Dächern in den Vorratsbehälter. Ein vermuteter Brunnen ist bisher nicht nachgewiesen worden. Ein Kamin, von dem nur noch wenige Reste erhalten sind, gehörte vielleicht zur Küche der Burg Tanstein. Obwohl es auf den Dahner Burgen mit ziemlicher Sicherheit zahlreiche Kamine gegeben haben wird, ist dieser der einzige, der heute noch nachweisbar ist.

Literatur

  • Otto Gödel, Neues von den Burgen „Altdahn“ und „Tannstein“. In: Heimatkalender. Das Pirmasenser und Zweibrücker Land, seine wechselvolle Geschichte und seine entwicklungsfreudige Gegenwart 1984, S. 103-106.
  • Johannes Göttlicher, Die Herren von Dahn und ihre Burgen. (Schriftliche Hausarbeit zur ersten Prüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen). Landau 1980.
  • Karl Kissel, Dahn – eine Chronik. Ortsgeschichtliche Betrachtungen unter Einbeziehung der allgemeinen Geschichte. Dahn 1997, S. 15-26.
  • Kulturdenkmäler Pirmasnes 1957, S. 212-243.
  • Peter Pohlit, Die Dahner Schlösser, in: Rolf Übel (Hrsg.), Der torn soll frey stehn. Burgen im Landkreis Pirmasens. Lingenfeld 1994, S. 62-79.
  • Jürgen Keddigkeit und Helmut Kratz, Burgen der Pfalz in Luftaufnahmen. 2., verb. Aufl. Landau 1991, S. 24f.

 

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Von: (sg)