Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: C, Hessen Zuletzt aktualisiert: 25.06.2005

Canstein/Hochsauerland

Canstein (Marsberg) westlich Bad Arolsen

Im Jahr 1080 taucht Reische von Cansteyn als erster seines Geschlechtes in den Quellen auf. Damals könnte eine Burg bereits bestanden haben. 1120 Erscheint neben Reinbold de Canstein auch die Burg (castrum Cahenstein) in Schriftquellen auf. In einem Güterverzeichnis des Bischofs Adalbert 1. von Mainz (1111-1137) ist zu lesen (MzUB 1, 616), dass Reginboldus die Burg Kahenstein mit den zugehörigen Gütern und Hörigen zu einem nicht näher beschriebenen Zeitpunkt an das Erzstift Mainz verkauft hatte. Das Erzstift gab den Cansteinern das Gut aber wohl umgehend als Lehen zurück. In den Jahren 1270/1271 tragen die Eversteiner die Grafschaft Donnersberg von Mainz zu Lehen. Burg Canstein gehörte damit zwar zum Lehnsbesitz dieser Grafenfamilie, die Cansteiner blieben aber nach wie vor auf der Burg wohnen. 1353 wird der Ritter Rabeno d.Ä. von Canstein sogar als Gewährsmann Erzbischof Heinrichs genannt, als dieser das Amt (Hof-)Geismar dem Paderborner Bischof verpfändete (Otto 5983).
Der Kansteiner Besitz der Eversteiner wurde von den Grafen nach und nach veräußert. Das Augustinerkloster Arolsen und die Grafen von Waldeck haben Besitzanrechte erworben. Doch dabei kam es zum streit und sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Burg Kanstein anscheinend sogar beschädigt oder gar zerstört wurde. Bekannt ist, dass 1302 ein Streit zwischen dem Erzbischof von Köln und dem Grafen von Waldeck geschlichtet wurde, der wegen der Burg Canstein entstanden war. Der Kölner Erzbischof Walram belehnte schließlich 1342 die Raben von Pappenheim mit dem Canstein und forderte sie auf, dort auf eigene Kosten eine n e u e Burg aufzubauen und eine Burgsiedlung zu gründen.
Zwischen 1406 bis 1446 ist Lippold vom Cansteyne in den Schriftquellen belegt. Um 1450 – so steht es in einem Bericht aus dem Jahr 1535 - gehen im Verlauf einer Fehde um Canstein alle Dörfer der Herrschaft Canstein in Flammen auf.  1464 überfiel Rabe von Canstein als Verbündeter des Erzbischofs von Köln, das Kloster Hasungen und die Dörfer Elsungen und Nothfeld, die dem Landgrafen von Hessen gehörten. Im Jahre 1501 wohnten auf Canstein die Brüder Lippold und Rabe. Die beiden lagen im beständigen Streit mit dem Grafen Philipp von Waldeck. Im Jahr 1502 überfiel Rabe die Stadt Mengeringhausen.### Die älteste Tochter des Lippold von Kanstein, Katharina, heiratete 1558 Philipp von Spiegel zum Desenberg. Dadurch gelangte ein Teil der Cansteiner Erbschaft an Philipp. Seither wurde die Herrschaft Canstein in Ober- und Unterhaus aufgeteilt. Im Oberhaus hatten die von Spiegel, im Unterhaus die von Canstein das Sagen. Wegen akuten Geldmangels verkauften die Canstein nach und nach ihre Besitzungen an die Spiegel. Einige der Familie von Canstein verbliebene Teile wurden durch Karl Hildebrandt von Canstein (gest. 1719) an das Waisenhaus zu Halle veräußert. Der 1815 verstorbene kurkölnische Kammerpräsident Franz Wilhelm von Spiegel zum Desenberg kaufte diese Güter aber nach und nach wieder zurück. Bis 1792 gelangte die ganze Herrschaft Canstein an die Familie von Spiegel.
Am 11. Februar 1837 verkaufte Kaspar Philipp Graf von Spiegel zum Desenberg die Herrschaft nebst den Rittersitzen Beringhausen und Hanxleben an den Grafen Franz von Spee zu Düsseldorf. Dessen Sohn Graf August von Spee verkaufte am 14.10.1846 diesen Besitz an Prinz Ferdinand Viktorian Philipp Toussaint von Croy zu Dülmen. Durch Kaufvertrag vom 1. Oktober 1853 gelangte das gesamte Gut an Ludwig Freiherr von Elverfeldt. Dieser brach das alte Schloss weitgehend ab und errichtete ein neues Schloss im modernen Stil. Von der alten Burg blieb im Nordosten der Anlage ein Gebäude stehen, das als Gerichtslokal und Rentei genutzt wurde. In diesem Gebäude befindet sich auch die Schlosskapelle, die Begräbnisstätte sowie das Archiv.
Am 2. März 1873 verstarb Ludwig Freiherr von Elverfeldt und hinterließ eine beachtliche Schuldenlast. Sein Sohn und Erbe Ludwig Levin verlor beide Söhne im jugendlichen Alter, sodass er die Herrschaft Canstein zur Verwaltung seinem Vetter und Schwager Alexander Aloysius Freiherr von Elverfeldt zu Langen (1836-1910) übergab. Erbe war dessen ältester Sohn Alexander Ludwig. Er nahm nach seiner Militärzeit 1905 die bisher verpachteten Güter in eigene Bewirtschaftung und modernisierte vor dem ersten Weltkrieg die Dörfer Canstein und Udorf (Elektrifizierung). Er ist der Ahnherr aller heute in Canstein, auf Gut Forst und Borntosten lebenden Familien von Elverfeldt.

Quelle: http://www.canstein.de/; Grathoff, Erzbischofsburgen; Tillmann 471

Von: (sg)