Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: D, N, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 19.05.05

Neuhausen (Worms)

Reste der ehemaligen Befestigung sind noch bei der alten St. Cyriakuskirche zu sehen

Folgt man der Überlieferung des 15. Jahrhunderts haben der merowingisch-fränkische König Dagobert (622-638) und Königin Brunichildis Anfang des 7. Jahrhundert im Gebiet des späteren Stiftes Neuhausen eine Königspalast errichtet. König Dagobert wandelte den Königspalast in eine dem hl. Dionysius geweihte Kirche um, die nach der Überlieferung des Klosters Lorsch im Jahr 847 von Bischof Samuel von Worms (840-856) in ein Stift umgewidmet wurde. Aus Rom überführte Samuel die Gebeine des hl. Cyriakus und gab seiner Neugründung den Namen St. Cyriakusstift. Der Ort Neuhausen entstand in unmittelbarer Nähe des Stiftes. Bis ins 12. Jahrhundert hinein hat Neuhausen die Aufgaben einer Königspfalz erfüllt. Aus dem Jahr 1125 ist überliefert, dass Wormser Bürger in einem Streit deren Befestigungsanlagen zerstörten. Auch das Cyriakusstift war im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein von einer ringförmigen Umfassungsmauer, einem Graben und einem vorgelagerten Palisadenzaun umgeben. Dieses Schutzbedürfnis hatte seinen guten Grund: mehrfach wurde das Stift Ziel bewaffneter Überfälle: Im Streit mit dem Erzbischof von Mainz wurden 1242 die Umfassungsmauer (muri) und einige Gebäude vernichtet. Im Jahr 1386 griffen Truppen der nahen Stadt Worms das Stift an. Am 1. März rückten die Bürger mit ihren Fahnen vor das Stift und zerstörten es nahezu vollständig. Dabei müssen die Kirche, die Gebäude und die Befestigungsanlagen großen Schaden erlitten haben. Neuhausen wurde noch einmal Ziel eines Angriffs: 1460 wurden Ort und Stift in der Auseinandersetzung zwischen Erzbischof Diether von Mainz und Pfalzgraf Friedrich vom mainzischen Parteigänger, dem thüringischen Grafen von Gleichen, angegriffen und völlig zerstört. Von diesem Schlag hat sich das Stift nie wieder erholt. Im Jahr 1565 wurde es aufgehoben und die Gebäude in eine kurpfälzisch-reformierte Fürstenschule (Collegium illustre) umgewandelt (bis 1615). Im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 und beim Brand im Jahr 1793 wurde Neuhausen erneut schwer verwüstet.

Nicht weit von Neuhausen entfernt verfügte das Cyriakusstift über ein stark befestigtes Außenwerk. Aus dem Jahr 1288 ist zu vernehmen, dass Wormser Bürger das Columbarium in Liebenau zerstört haben. Dieses Columbarium, offensichtlich eine regelrechte Burganlage, befand sich in der Hochheimer Gemarkung auf einer von Pfrimm und Mühlbach gebildeten Halbinsel, dort, wo heute die von-Steuben- und die Holderbaumstraße verlaufen. Der Wormser Bürger Johannes Holderbaum erwarb das Grundstück im Jahr 1292. Seine Schwester Lioba wandte zusammen mit ihrem Ehemann, dem Patrizier Jakob Engelmann, in den folgenden Jahren einen Großteil ihres Vermögens auf, um dort eine Klosteranlage zu errichten und finanziell abzusichern. Nach dem Tod der Stifter (um 1300) fanden beide ihr Grab im Chor der Kirche. Das mit Dominikanerinnen besetzte Kloster erhielt zum Gedächtnis an die Stifterin den Namen Liebenau.

Baubeschreibung: Die Befestigungen in Neuhausen sind bis auf wenige Reste verschwunden, doch lässt sich der Verlauf von Graben und Wall in der Dorfanlage noch erkennen. Von der ehemaligen Umfassungsmauer des Stifts sind noch an zwei Stellen geringe Reste erhalten: am Kirchvorplatz geht die Grundstückswand zur Stiftstraße 19 auf diese Befestigung zurück. Bei der Stiftsmühle hinter dem Anwesen Schoppstraße 2, am ehemaligen Wasserausfluss der Mühle, sollen Teile der dortigen Mauer, heute von Betonteilen fast verdeckt, Reste der alten Umfassungsmauer darstellen.

Quellen: Bechtolsheimer 1916, S. 352; Brilmayer 1905, S. 325f.; Dehio, Rheinland-Pfalz/Saarland 1984, S. 1188; Fabry 1958, S. 20; Schalk 1996, passim; Spille 1992, S. 252-259; Tillmann 1958-61, S.713; Wörner 1887, S. 102-103.

Von: (sg)