Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: G, Baden-Würtemberg, Mainzer Erzbischöfe Zuletzt aktualisiert: 22.05.2005

Gamburg

An der Tauber. Nordwestlich Werbach, südöstlich Wertheim

Die Gamburg wurde dem Mainzer Erzbischof Adalbert I. vor 1137 von Graf Rudolf [von Wertheim] geschenkt (MzUB I, Nr.616). Gleichzeitig erwarb der Mainzer auf dem Weg der Lehnsauftragung die Burg in Altertheim von einem Grafen Adelbert. Der Erzbischof besetzte die Gamburg mit einem edelfreien Herrengeschlecht, das sich nach der Burg benannte. Im Jahr 1139 treten Beringer von Gamburg und sein Bruder Trageboto als Unterzeichner einer Würzburger Bischofsurkunde auf (Humpert S.13f.).
Beringer wurde nicht nur auf "seiner" Burg aktiv. Im Jahr 1151 war er mit anderen edelfreien Herren, darunter Erlebold von Krensheim, Billung von Lindenfels, einige Herren von Zimmern und die Grafen von Wertheim, an der Gründung des nahen Klosters Bronnbach beteiligt. In den Jahren 1153/1156 erscheint Berenger in einer Urkunde Erzbischof Arnolds (MzUB 2 Nr.216).
1157/1158 verlehnte der Mainzer die Gamburg an Beringer. Im Gegenzug ließ sich der Erzbischof von seinem Burgverwalter (oppidanus) zusichern, dass dieser mit einer bestimmten Anzahl von gut ausgerüsteteten Reitern im erzbischöflichen Dienst nach Mailand mitreiste. So konnte der Erzbischof seinen Verpflichtungen im Rahmen des Kaiserzuges nach Italien nachkommen. Der Gamburger übergab dem Erzbischof das Dorf Bronnbach, das Erzbischof Arnold zur Ausstattung des dortigen Zisterzienserklosters verwandte (MzUB 2 Nr.238). Die Stellung Beringers ist vielschichtig. Er war Lehns- und Dienstmann, fungierte als Burgverwalter und war Geldgeber des Erzbischofs. So lieh er vor 1190 Erzbischof Konrad 135 Mark, die allerdings dem Ausbau der Gamburg zugute kommen sollten (MzUB 2,2 Nr.531).
Anfang des 13. Jahrhunderts scheinen die Mainzer Erzbischöfe das Zepter auf der Gamburg wieder in eigene Hände genommen zu haben. Im Jahr 1221 wird Beringer von Gamburg letztmals genannt (BW 32,180; Das Geschlecht ist allerdings erst Ende des 13. Jahrhunderts ausgestorben), spielte aber aufd er Gamburg keine Rolle mehr). Wenig später erscheinen die ersten Burgmannen auf der mainzischen Eigenburg.
1226 sind Arnold von Uissigheim und Ropert Kanninberc als solche genannt. (BW 32,519), 1232 werden wieder mainzische Burgmannen erwähnt (BW 33,57), 1245 ist Heinrich Herrant Burgmann (BW 33,512); 1292-1315 wird Graf Rudolf von Wertheim als Burgmann geführt (Vogt 255 und 1802). Es war keine Ausnahme, dass ein Graf Burgmann war, 1295 taucht der Edelherr Konrad von Boxberg in der Schar der Burgmann auf. Bei diesen sog. "politischen Burgmannschaften" standen Prestige und Renomée im Vordergrund der Abmachung. Ein Mann wie Konrad, der über eine beachtliche Grund- und Gebietsherrschaft verfügte und sogar selbst Burgen besaß, hat wohl keinen aktiven Dienst auf der Gamburger Burgmauer geleistet. Dafür war es üblich, einen ritterlichen Stellvertreter abzustellen. Weilte der Boxberger persönlich auf der Gamburg, genoss er aber das Privileg, in dem sonst für den Erzbischof reserviertem Steinhaus auf der Gamburg wohnen zu dürfen. Weilte der Erzbischof allerdings ebenfalls auf der Burg, musste der Edelherr mit einem anderen Quartier vorliebnehmen. Der Boxberger und der Erzbischof vereinbarten darüber hinaus, sich gegenseitig ihre Burgen zu öffnen (Vogt 399). 1326 ist der Edelknecht Konrad Hundelin von Hausen (Vogt 2768), 1339 der Edelknecht Ludwig von Rieneck (Otto 441) als Burgmann genannt. In der Zeit der Verpfändung der Gamburg (1345-1363, siehe unten) sind natürlich keine Burgmannen genannt, da der Pfandherr für die Bemannung verantwortlich war. Erst 1388 erscheinen der Ritter Schetzelin von Uettingen (MIB 1 fol. 66v), 1389 Graf Johann von Wertheim (MIB 1 fol.65), 1390 Hans von Rosenberg (MIB 1 fol.67) und Fritze Huttener (MIB 1 fol.207). 1391 folgen Albrecht und Contz von Stettberg (MIB 1 fol.66) und Wiprecht von Stettberg (ebd. fol.39v) als Gamburger Burgmannen.
Die Burglehen auf der Burg wurden in Form einer Rente aus den erzbischöflichen Ortschaften Wenzelndorf und Balbach bzw. ersatzweise aus dem Zoll in Miltenberg (1292, 1315 und 1389) gezahlt, von Äckern in Niklashausen (1326), von der Prekarie der Bürger in Külsheim (1339), aus der Badestube in Tauber-Bischofsheim (1388), aus der Kornrente in Bürstadt (1390), aus der Bede in Külsheim (1390), dem Zehnten zun Königheim (1391), aus den Weingärten zu Werbach (1291) und der Kornrente aus Tauber-Bischofsheim (1391) bezahlt.
Seit 1345 war die Gamburg (neben Külsheim) an Heinrich von Salza verpfändet, um diesem Sicherheit für den Kauf eines Besitzanteils an Burg und Stadt Langensalza zu geben(Otto 5288). Als die beiden Erzbischofsanwäter Heinrich von Virneburg und Gerlach von Nassau im Streit um den Mainzer Erzstuhl lagen (Mainzer Stiftsfehde) verpfändeten die Interimsverwalter (die sog. 5 Vormünder) des Mainzer Erzstiftes 1347 mit Zustimmung Erzbischof Heinrichs und des Domkapitels einen Teil der Burg dem Würzburger Kanoniker Johann von Grumbach sowie Bertold von Grumbach. Eine Rücklösung sollte innerhalb der nächsten sechs Jahre erfolgen (Otto 5583, 5584). Erzbischof Heinrich ließ die Burg währenddessen auf Kosten des Erzstiftes ausbauen. Vergeblich bemühte sich 1350 der andere Erzbischofskandidat, Gerlach von Nassau, die ihm vom Virneburg vorenthaltende Gamburg für sich zu gewinnen (Otto 6348).
1354 ist die Burg dem Ritter Konrad von Seinsheim verpfändet (Vigener 118). 1358 versetzte der Mainzer einen Teil des Burgdrittels der Herren von Salza an die Herren von Grumbach (Vigener 1073), reichte dieses Drittel aber 1359 an die Edelknechte von Stettenberg weiter (Vigener 1120). 1363 wurde die Gamburg dem Johann von Salza, seiner Schwester Else und ihrem Ehemann Wilhelm von Mosbach als Sicherheit für ein Gelddarlehen (für den Kauf der Herrschaft Langensalza) als Pfand in Aussicht gestellt (Pfandanwartschaft). Sollte die Verpfändung Gamburgs aus irgendeinem Grund nicht zustandekommen, sollten sie ersatzweise Burg und Stadt Tauberbischofsheim erhalten (Vigener 1624). Auch die Burg in Külsheim war zwischen 1347 und 1363 in der gleichen Weise (Pfandanwartschaft) im Pfandbesitz der Herren von Salza.
Erst nach der Beendigung der Verpfändung erscheinen 1363 Amtleute auf der Gamburg. Der Edelherr Ruprecht Stetinberg war zugleich Amtmann auf der Gamburg und in Külsheim (Vigener 1624). Im selben Jahr wurden die Ritter Dietrich von Homburg, Dietz von Tüngeda oder Eberhard Schenk von Rosberg als mögliche Nachfolger des Ruprecht ins Spiel gebracht (Vigener 1624).
Die Gamburg blieb bis zum Jahr 1546 beim Erzstift Mainz. In diesem Jahr übergab Erzbischof Sebastian die Feste und den Ort dem kurmainzischen Hofmeister und Rat Eberhard Rüdt von Kollenberg im Tausch gegen einen Freihof zu Mainz und andere Güter. Der Mainzer behielt sich aber die Landeshoheit vor. Seit 1692 erscheint Gamburg dann nicht mehr in der Reihe der kurmainzischen Orte (Humpert S.14).

Quelle: Grathoff, Erzbischofsburgen

Literaturhinweis: Rückert, Peter: Zu den Anfängen der Gamburg und ihren ersten Besitzern. In: Wertheimer Jahrbuch (1994).

Von: (sg)