Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: O, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 15.08.2005

Oppenheim (Landskron)

Über Oppenheim am Rhein

Das Praesidium Herzog Friedrichs II. von Schwaben
Das ehemalige Königsdorf Oppenheim war im Jahr 774 von Karl dem Großen dem Kloster Lorsch geschenkt worden. Das Reich hatte sich aber nicht ganz aus dem strategisch und verkehrstechnisch günstig gelegenen Ort am Rhein und am Schnittpunkt wichtiger Handelswege zurückgezogen. Der wirtschaftliche Aufschwung der Gemeinde, der im Jahr 1008 mit der Erteilung der Marktrechte eingeleitet wurde, führte dazu, dass sich die Staufer verstärkt für den Ort interessierten und ihn zu einem Stützpunkt auszubauen begannen. Sie errichteten im Ort oder in seinem Vorfeld ein "praesidium". Wie dieses burgähnliche Gebäude ausgesehen hat, ob es aus Stein bestand oder nur eine Art Feldschanze aus Holz und Erdwällen war, ist unbekannt. Die staufischen Interessen in Oppenheim waren vor allem durch die Mainzer Erzbischöfe bedroht, die sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts von Mainz aus anschickten, ihre Einflusssphäre nach Süden auszuweiten. Als Adalbert I. von Saarbrücken im Jahr 1111 Erzbischof in Mainz wurde, eskalierte der Streit und es kam 1118 zum Krieg zwischen dem Mainzer und dem Stauferherzog Friedrich II. von Schwaben. Dabei wurde das Präsidium des Herzogs in Oppenheim und wohl auch der Marktflecken selbst zerstört.

Die neue Burg
Ob direkt nach der Zerstörung von 1118 in Oppenheim eine Burg errichtet wurde, ist unwahrscheinlich. Als das Kloster Lorsch im Jahr 1147 seinen Oppenheimer Besitz dem Königtum zurückgab, begann die Reichsgeschichte des Ortes. Erst als der Marktflecken zur freien Reichsstadt erhoben wurde und Kaiser Friedrich im Juni 1226 den Oppenheimern Steuererleichterungen einräumte, damit sie den Bau der Stadtbefestigung bewerkstelligen konnten, kann man mit Sicherheit von der Existenz einer Burg Oppenheim ausgehen. Sie wurde, so vermutet man, um 1220 errichtet. Erstmals erwähnt wird die Reichsburg Oppenheim im Jahr 1244. Damals wurde noch an ihr gebaut: Die Außenanlagen waren wohl fertig und fest in den Stadtmauerring einbezogen. Noch nicht vollendet waren die Unterkünfte der Burgmannen. Diese besaßen ihre Häuser als Burglehen. Daneben waren sie damals mit Einkünften in der Niersteiner und Dexheimer Gemarkung ausgestattet. Um diese Steuereinkünfte und wohl auch die Versuche der adligen Burgmannschaft, sich in die Politik der Stadt, vor allem später (1287) in die Besetzung des Rates und des Gerichtes einzumischen, entstanden Spannungen mit der Oppenheimer Bürgerschaft.

Die Bürger zerstören Burg Oppenheim (1257)
So scheint die Reichsburg für die Stadtbewohner weniger Schutz als vielmehr Kontrolle und Beeinflussung durch die Burginsassen bedeutet zu haben. Solange ein König regierte, ging die Gegnerschaft nicht über verbale Streitigkeiten hinaus. Als aber nach dem Ende der staufischen Könige zwischen 1254 und 1273 im sog. Interregnum fast keine ordnende Königsgewalt vorhanden war, welche die Burgmannschaft in ihre Schranken verwies, sahen sich die Oppenheimer nach einer anderen Schutzmacht um. Dies schien ihnen um so dringender geraten, da der Interregnumskönig Wilhelm von Holland im Jahr 1252 im Feldlager vor Kaub Burg und Stadt Oppenheim dem Mainzer Erzbischof Gerhard verpfändete hatte. Die Stadtführung trat 1254 einem Bündnis verschiedener rheinischer Städte bei, dem sog. Rheinischen Städtebund. Da die Übergriffe der adligen Burgmannen nicht aufhörten, verloren die Oppenheimer Bürger 1257 die Geduld und zerstörten die ungeliebte Burg. Der Interregnumskönig Richard von Cornwall (reg. 1257-1272) war froh, die Reichsstadt, die bisher zum anderen Interregnumskönig Alfons von Kastilien gehalten hatte, für sich gewinnen zu können. Freimütig versprach er der Stadt, Zeit seines Lebens keine Burg mehr innerhalb der Stadtmauern zu errichten.
So blieb die Burg Ruine, bis 1273 König Rudolf von Habsburg den deutschen Königsthron bestieg. Burg Oppenheim wurde im Rahmen seiner Reichserneuerungspolitik sofort nach seiner Wahl wieder aufgebaut. Da der Zwist zwischen den adligen Burgmannen und der Stadt noch immer bestand, zerstörten die Oppenheimer am 21.9.1275 die wohl noch im Bau befindliche Burganlage. König Rudolf erschien bereits am folgenden Tag, verzieh der Stadt zwar ihre Tat, zwang sie aber (1276), die Feste auf ihre Kosten stärker als zuvor wieder aufzubauen. So wurden die gerade stattfindenden Arbeiten am Ostchor der Katharinenkirche unterbrochen und die in der Stadt anwesenden Bauleute auf die Burgbaustelle geschickt. 1287 gab König Rudolf den Oppenheimer Bürgern die ihnen von der Burgmannschaft entrissenen Rechte bei der Besetzung des Stadtrates und des Gerichtes zurück. Rudolf verpflichtete die Bürgerschaft im Gegenzug, nichts mehr gegen die Burg zu unternehmen. Gleichzeitig schuf er ein neues Beziehungsgeflecht zwischen Burg und Stadt. Die Stadt musste sich über die Zolleinkünfte an der Finanzierung der Burglehen beteiligen und vier Bürger zur Bewachung der Burg abstellen. Den Hauptteil der Burgmannengelder hatten die Oppenheimer jüdischen Glaubens aufzubringen, im Jahr 1434 immerhin 350 Gulden.

Oppenheim unter der Pfandherrschaft des Mainzer Erzbischofs
Seit 1252 war Oppenheim dem Mainzer Erzbischof verpfändete. Doch es fiel dem Erzbischof nicht leicht, neben seiner kirchlichen Herrschaft im Bereich um die Katharinenkirche, eine weltliche Herrschaft aufzubauen. Zudem war 1291 u.a. Graf Eberhard von Katzenelnbogen Burgmann auf der Burg und zudem im Stadtrat vertreten. Sollten die Bewohner Oppenheims sich freiwillig dem Pfandherren unterstellen, so wollte der Graf dies nicht zu verhindern suchen. Sollte der Erzbischof aber Gewalt anwenden, wollte Graf Eberhard sich so verhalten, wie ein Burgmann und Ratmann Oppenheims dies der geleistete Eid und seine Ehre erforderten. So behielt der Graf das Heft auf der Burg in der Hand (ebenso auf der Schwabsburg und in Gau-Odernheim), stellte sie dem Mainzer aber als Offenhaus zur Verfügung. Er durfte sich aus der Burg behelfen, solange sich die Aktion nicht gegen die Stadt Oppenheim richtete (Vogt 230). Im Jahr 1313 einigten sich die Oppenheimer mit Erzbischof Peter. Es wurde ein modus vivendi gefunden, was die Stadtverwaltung, die Verwendung des Ungeldes und die Bewachung der Burgen Oppenheim und Schwabsburg samt ihrer Güter betraf. Auch über Hilfeleistungen und Vogteigelder wure eine Einigung herbeigeführt. Die Vereinbarungen sollten bis zur einhelligen Wahl eines Königs durch das Kurfürstenkollegium gelten (Vogt 1613). 1315 bestätigte König Ludwig dem Mainzer die Verpfändung von Burg und Stadt Oppenheim (sowie Stadt Odernheim, die Schwabsburg, Ober- und Nieder-Ingelheim sowie Nierstein) mit allen Rechten und Einkünften. 2000 Mark Kölner Denare hatte ihm der Erzbischof zur Zeit der Königswahl in Frankfurter geliehen, 3000 Pfund Heller hatte er anlässlich der Krönung im Reichsdienst ausgegeben. Darüber hinaus hatte ihm der Mainzer 30 große Turnosen geliehen. Die erneute Verpfändung sollte unter den gleichen Bedingungen erfolgen, unter denen König Ludwig dem Erzbischof Burg Fürstenberg als Pfand versprochen hatte. Die Schultheißen, Amt- und Burgleute der betroffenen Burgen sollten ebenso dem Erzbischof als Pfandherrn schwören wie die Bewohner der Burgstädte und -orte (Vogt 1730). In einer Zusatzvereinbarung wurde vereinbart: Da der Erzbischof die geliehene Summe aus seinem Privatvermögen und nicht aus dem Vermögen der Mainzer Kirche aufgebracht hatte (vgl. Vogt 1678, Nr.4), durfte er seine Pfandrechte beliebig einem seiner Verwandten vermachen, oder für sein Seelenheil anderweitig darüber verfügen. Tat er dies nicht, sollte das Pfandrecht auf seinen Amtsnachfolger übergehen. Eine Rücklösung der verpfändete Burgen und Städte sollte erst möglich sein, wenn König Ludwig dem Mainzer Burg Lindenfels übergeben hatte. Dieses Versprechen hatte er ihm schon vor seiner Wahl, als er noch Pfalzgraf war, gegeben (Vogt 1731). Wenig später schworen Schultheißen, Burgmänner, Ratsmannen, Bürger und Einwohner in Oppenheim, Odernheim, Schwabsburg, beiden Dörfern Ingelheim und in Nierstein Erzbischof Peter den Treueid (Vogt 1736). Wenig später erhöhte der König noch einmal die Pfandsumme (Vogt 1744). Der König versprach sich von der Verpfändung nicht nur Bargeld, sondern er hoffte auch auf die tatkräftige Hilfe des Erzbischofs bei der Rückgewinnung (Revindikation) entfremdeten Reichsgutes Güter (Vogt 1750). Doch die Oppenheimer Burgmannschaft weigerte sich, den Verfügungen des Königs nachzukommen. König Ludwig beauftragte daraufhin Erzbischof Peter, den renitenten Burgmannen ihre Burglehen zu entziehen (Vogt 1753). Auch in der Folgezeit kam der Mainzer als uneingeschränkter Pfandherr nie zum Zuge. 1328 schädigten einige Burgmannen Güter des Klosters Eberbach in Lehheim. Der Erzbischof ermahnte die Oppenheimer, ihre Mitburgmannen von solchem Tun abzuhalten und sie zur Schadenersatzleistung zu veranlassen. Er zeigte sogar Verständnis für die Übergriffe. Sollte die gewalttätigen Burgmannen Forderungen an das Kloster haben, wollte der Erzbischof als Kirchenherr ihnen ein gerechter Richter sein (Otto 2951).

Verpfändung Oppenheims (1375-1689)
Aufgrund einer Konkurrenzstellung der Könige zu den benachbarten Territorien und in dem Bestreben, Königswahlen in ihrem Sinne zu beeinflussen, gingen die Herrscher zunehmend dazu über, ihren Parteigängern als Dank für deren Unterstützung Reichsgut zu verpfänden. Mit dem Geld konnten die Herrscher ihren wachsenden Finanzbedarf decken. Von dieser Verpfändungspolitik war auch Oppenheim betroffen. Seit 1298 wurde die Stadt mehrfach verpfändet, doch immer wieder war das Königtum in der Lage, das geliehene Geld zurückzuzahlen und die Pfandschaft auszulösen. Im Jahr 1375 verpfändete Kaiser Karl IV., im Bemühen, die Nachfolge seines Sohnes Wenzel auf den Königsthron zu sichern, Oppenheim an Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz (1353-1390). Das bedeutete den endgültigen Verlust der Reichsstadt, denn kein König war danach in der Lage, das Pfandgeld den Pfalzgrafen jemals zurück zu zahlen. Burg und Stadt Oppenheim wurden fest in die Pfalzgrafschaft eingebunden und zu einer bevorzugten Residenz der Pfalzgrafen. Das pfalzgräfliche Oberamt Oppenheim blieb bis zum Ende des Kurstaates bei der Pfalzgrafschaft.

König Ruprecht und Burg Oppenheim
Als Pfalzgraf Ruprecht der Jüngere im Jahr 1400 zum deutschen König gewählt wurde, erneuerte er zwar alle Freiheiten der Stadt, bestätigte aber auch gegen ihren Willen die Verpfändung an Pfalzgraf Ludwig. Gleichwohl wurde Oppenheim zu einer bevorzugten Residenz des Königs: Zwischen 1402 und 1410 ist der Kaiser insgesamt zehnmal in Oppenheim nachweisbar. Bald wird die Burg auch Landskron genannt werden. Am 18. Mai 1410 starb König Ruprecht I. verarmt und verlassen in seiner Oppenheimer Burg, nachdem er zwei Tage vorher dort sitzend off der banke für seinem bedte sein Testament verfasst hatte. Zum Kommandanten der Burg hatten die Könige anfänglich einen Amtmann bestimmt, während ein Reichsschultheiß den Vorsitz in der Gerichtsbarkeit einnahm. Nach dem Wiederaufbau der Burg Ende des 14. Jahrhunderts befehligte nur noch ein Amtmann die Burg und die Burgmannen. Die Burgmannen, anfangs noch in der Burg angesiedelt, um im Konfliktfall schnell zur Stelle zu sein, errichten später auch unterhalb der Burg am Hang in Höhe der Katharinenkirche ihre Häuser. Nur wenig von ihnen hat die Zeiten überdauert, das meiste wurde in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts zerstört. Neben den Höfen erinnern zahlreiche Grabdenkmäler in der Katharinenkirche an die adligen Burgmannen, deren letzter Vertreter, Philipp von Dalberg, im Jahr 1533 starb.

Zerstörung der Burg Landskron
Unmittelbar nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) begutachtete ein Landmesser die Verteidigungsbereitschaft der Stadt und machte Verbesserungsvorschläge. Diese konnten jedoch nicht mehr umgesetzt werden, da spanische Truppen die Stadt am 14.9.1620 einnahmen. Von 1631 bis 1635 besetzten schwedische Truppen Stadt und Burg. Die Burg wird dabei in Mitleidenschaft gezogen worden sein, wie eine Beschreibung der Burg aus dem Jahr 1643 andeutet. Die Stadt Oppenheim wurde am 1.10.1688 von französischen Soldaten unter dem Marquis de Breteuil erobert. Nach der kampflosen Übergabe der Stadt versuchte der Kommandant Leutnant Otto Brickmann einige Stunden lang vergeblich, die Burg zu halten. Nachdem im Frühjahr die Stadtbefestigung schon weitgehend zerstört worden war, wurde am 13.5.1689 der Bergfried gesprengt und der Burgbrunnen mit den Trümmern verfüllt. Am 31. Mai folgte die völlige Zerstörung der Stadt.

Die Burg seit dem 18. Jahrhundert
1720 werden nochmals Pläne bekannt, Burg Landskron wieder aufzubauen, was jedoch nicht verwirklicht wurde. Die Ruine diente als Steinbruch für den Wiederaufbau der Stadt. Viele Steine der Burg wurden 1764/65 zum Ausbau der Straße nach Worms verwendet. Im 19. Jahrhundert gelangte die Landskron in den Besitz der Stadt Oppenheim. Seither wurden verschiedene Renovierungsarbeiten durchgeführt. Seit 1978 ist die Burg im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz. Im Sommer finden auf der Burg regelmäßig die Oppenheimer Burgfestspiele statt.

Baubeschreibung:
Die mittelalterliche Aussehen der Burg Oppenheim ist kaum noch zu erkennen. Die Burg, die erst seit 1668 Landskron genannt wird, hatte einst zwei Tore. Eins öffnete sich gegen den Berg, das andere führte über eine Zugbrücke in die Stadt. Vom mächtigen Bergfried des 13. Jahrhunderts ist heute nur noch der Stumpf erhalten. Das heute noch sichtbare dreigeschossige Wohngebäude, der Palas, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Burg, von einem inneren und äußeren Graben und dicken Mauern geschützt, war mit der Stadtmauer verbunden.

Quelle: Grathoff, Erbischofsburgen; Herrmann (siehe unten)

Literaturhinweise:

Christofer Herrmann: Burgruine Landskron Oppenheim. (Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Führungsheft 23). 1. Auflage 2004.
Schmid, Beate Schmid und Christofer Herrmann: Die Ruine Landskron in Oppenheim. (= Mainzer archäologische Schriften.2). Mainz 1998.Karl Becker: Von der Ruine Landskrone bei Oppenheim. In: Heimatjahrbuch Mainz-Bingen 15 (1971), S.36-37.
Baur: Geschichte der Veste Landskron zu Oppenheim. In: Archiv für hessische Geschichte 2a, S.66.
Heinrich Büttner: Die Anfänge der Stadt Oppenheim. In: Archiv für Hessische Geschichte NF 24 (1952/53), S.17-36.
Paul Krause: Die Stadt Oppenheim unter der Verwaltung des Reiches 1147 bis 1375. Diss. Phil. Frankfurt am Main 1992.

Von: (sg)