Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: B, Rheinland-Pfalz Zuletzt aktualisiert: 24.06.2005

Böckelheim/Hunsrück

Schloßböckelheim 9 km sw Bad Kreuznach

Der Name Schloßböckelheim für Böckelheim kommt erst im 17. Jahrhundert auf. Im 19. Jahrhundert setzte sich der Name Thalböckelheim durch. Am 1. November 1910 kam der Gemeinderat überein, den Namen Schloßböckelheim endgültig einzuführen.
Burg Böckelheim war 824, im Jahr der Ersterwähnung des Ortes (villa Beccchilenheim) im Besitz der Vorfahren des salischen Kaiserhauses, der Albriche. Im Jahr 975 ist Herzog Kuno von Kärnten auf Böckelheim nachgewiesen (Böhmer/Will 1 S.119 Nr.10). Auf dem Erbweg gelangte Böckelheim an die lothringischen Herzöge, Kaiser Heinrich III. eroberte sie 1043/44 von seinem Verwandten Gottfried von Niederlothringen zurück und schenkte sie zugleich mit einem großen Teil des Reichsgutes Kreuznach dem Bischof Sigebod von Speyer. Der Bischof verlehnte sie an die Sponheimer. Im Dezember 1105 hält Kaiser Heinrich V. seinen Vater Heinrich IV. auf der (Reichs)Burg gefangen (Böhmer/Will 1, S.235 Nr.59). 1128 ist ein Cuno von Böckelheim samt Familie genannt (MzUB 1, Nr.553).
Um 1200 hatte das Mainzer Erzstift Besitz im Umfeld der Burg, denn zwischen 1200-1230 verpfändet Erzbischof Siegfried II. dem Raugrafen Rupert 10 Pfund Zins zu Böckelheim (Böhmer/Will 2, S.203 Nr.594). Bei der sponheimischen Teilung nach dem Tod Graf Simons von Sponheim fiel Burg Böckelheim 1277 an den Sohn, den Edelherrn Heinrich von Sponheim und seine Frau Kunigunde.
1278 verkaufte Heinrich die Burg gegen den Willen der Familie an den Mainzer Erzbischof Werner, blieb aber als Burgmann auf ihr wohnen (Böhmer/Will 2, S.403f. Nr.457, 490). Sein Bruder Graf Johann versuchte den Verkauf mit Gewalt zu verhindern, wurde aber 1279 vom Erzbischof in der Schlacht bei Gensingen besiegt (Böhmer/Will 2 S.407 Nr.490). Der Erzbischof nahm zwar den Rheingrafen, Emicho von Leiningen und den Grafen von Vaihingen gefangen, dennoch verwüstet Johann mit Rheingraf Siegfried von Stein die erzbischöflichen Besitzungen im Rheingau. Daraufhin belagerte der Erzbischof Burg (castrum) Rheinberg und zerstörte sie. 1281 verzichteten sämtliche Grafen von Sponheim und 1282 Bischof Friedrich von Speyer und sein Domkapitel auf alle Ansprüche auf die Burg und versprachen – ein Zeichen ihres guten Willens nach dem beigelegten Streit - sogar Hilfe gegen den Landgrafen von Hessen (Böhmer/Will 2 S.411 Nr.512, S.413 Nr.523 und Böhmer/Will 2, S.414 Nr.531); Graf Johann blieb auch Burgmann im mainzischen Bingen. 1290 verglichen sich Heinrich von Sponheim und Erzbischof Gerhard über einige zur Burg gehörigen Güter (Vogt 181).
Im Jahr 1305 war Burg Böckelheim dem Ritter Dietrich von Randeck verpfändet, denn seit diesem Jahr versuchte das Mainzer Domkapitel, das nach dem Tod Erzbischofs Gerhard II. von Eppstein die amtsgeschäfte weiterführte, die Burg auszulösen (Vogt 873). Der Ritter Friedrich von Witzleben lieh 1306 dem Domkapitel sogar 250 Mark reinen Silbers, Erfurter Gewichts, zur Lösung der Burg Böckelheim und erhielt dafür vom Domkapitel die Burg Tonndorf mit Zubehör auf 6 Jahre verpfändet (Vogt 1751). Im Jahr 1307 versucht das Domkapitel mit Zustimmung des neuen Erzbischofs Peter Burg Böckelheim immer noch zu lösen (Vogt 1118). Doch 1310 konnte Erzbischof Peter die zurückgekaufte Burg beim Domkapitel einlösen (Vogt 1366, 1367). Danach gewannen die Erzbischöfe zahlreiche Burgmannen für die wiedergewonnene Burg. Burg Böckelheim wurde mehrfach den auf ihre residierenden Amtmännern verpfändet (Otto 4715, 4946).
Im Jahr 1347 verpfändete Erzbischof Gerlach die Burgen Böckelheim, Martinstein und Stadt Sobernheim dem Grafen Wilhelm von Sponheim und dessen Erben (Otto 6176). Der Mainzer Stiftsverweser Kuno von Falkenstein erlaubt 1349 mit Zustimmung Erzbischof Heinrichs dem Ritter Antelmann von Grasewege, Burg und Amt Böckelheim, die er von Wolf von Sponheim gelöst hatte, nun seinerseits als Pfand in Besitz zu nehmen (Otto 5736). Auch Burg Martinstein ist neben Böckelheim 1355 immer noch Pfand des Burggrafen Antelmann (Vigener 414), wurde allerdings jetzt vom Erzbischof gelöst (Vigener 427). 1466 ging Böckelheim in den Pfandbesitz des Hauses Pfalz-Zweibrücken. 1471 eroberte Pfalzgraf Friedrich I. die Burg und behielt das Amt Böckelheim trotz Intervention des eigentlichen Besitzers, des Mainzer Erzbischofs, der aber nicht mehr die politische Kraft hatte, seinen Anspruch durchzusetzen. Später lenkte Kurpfalz doch noch ein. Im Jahr 1715 gab der Pfalzgraf Besitzungen in Rheinhessen ab und das neue kurpfälzische Unteramt Böckelheim blieb Teil des Oberamtes Kreuznach. Böckelheim diente mehrere Male zur Ausstattung kurpfälzischer Seitenlinien.
Im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Burg Böckelheim 1688 von französischen Truppen so nachhaltig zerstört, das heute nur noch geringe Reste der einst mächtigen Feste erhalten geblieben sind.

Quelle: Grathoff, Erzbischofsburgen; Tillmann S.958; Lehmann, Sponheim S.56f., 60f.; Vogt, Sponheim

Literturhinweise: Kaiser, Böckelheim; Pöhlmann, Antilman

Von: (sg)