Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: B, Saarland Zuletzt aktualisiert: 23.06.2005

Blieskastel (Castle)

Blieskastel östlich Saarbrücken

Die Gründungsgeschichte von Blieskastel selbst liegt im Dunkeln. Die Grafen von Blieskastel spalteten sich gegen Ende des 11. Jahrhunderts von den Grafen von Metz-Lunéville ab und bildeten im Laufe des 12. Jahrhunderts auch die Linien der Grafen von Homburg, Lützelstein und Saarwerden. Ihr Besitz (Allode, Lehen der Erzbischöfe von Trier, der Bischöfe von Metz und Verdun) erstreckte sich vom nördlichen Lothringen zu beiden Seiten der Blies quer über den Hunsrück bis nach Bernkastel an der Mosel.
Erstmals genannt wird (Burg) Blieskastel aber erst 1098 in einer Urkunde, bei der als Zeuge auch ein Graf im Bliesgau Gottfried von Castele erscheint. (Nach Tillmann wurde die Burg anstelle eines römischen Kastells errichtet. Die Existenz eines Castellum ad Blesam lässt sich aber durch nichts belegen. Nach Dehio erfolgte die Erstnennung im Jahr 982).
Nach dem Tode des letzten Bliesgaugrafen Heinrich von Castel im Jahr 1237, kam es zu Streitigkeiten um sein Erbe. Die älteste Tochter des Verstorbenen, Elisabeth, konnte die Nachfolge im größten Teil des väterlichen Erbes durchsetzen und den Besitz durch eine Ehe mit Rainald von Lothringen-Bitsch ihre Herrschaft nach Südosten ausdehnen. Nach dem Tod des kinderlosen Ehepaares (gest. 1273 bzw. 1274) entstand zwischen den Schwestern Elisabeths und ihres Ehegatten, dem Herzog von Lothringen als Erbe Rainalds von Bitsch und dem Bischof von Metz als vornehmsten Lehnsherren, der sog. Blieskasteler Erbfolgekrieg (1276-1291), in den fast alle territorialen Gewalten Lothringens, des Elsass und Luxemburgs verwickelt waren. 1284 veräußerte der nunmehrige Besitzer der Burg, Heinrich von Salm, seinen Besitz an den Bischof Burkhard von Metz. 1326 erfolgte die Verpfändung Blieskastels durch den Bischof von Metz an die Lothringischen Herren von Finstingen. Der Erbfolgestreit endete mit der Aufteilung des Blieskasteler Erbes zwischen dem Herzog von Lothringen, dem Bischof von Metz und dem Grafen von Salm. Burg und Flecken Blieskastel fielen dem Bischof von Metz zu, wurden aber von ihm 1337 an das Erzstift Trier verkauft. In dem Bündnis des Grafen Johann von Saarbrücken, Herrn zu Commercy und des Grafen Walraven von Zweibrücken mit Erzbischof Balduin von Trier gegen die von Castle wird 1337 bestimmt, daß Burg Castle, wenn sie erobert wird, gebrochen werden und der Wiederaufbau verhindert werden soll, außer wenn alle drei Vertragschließenden zustimmen oder wenn die Burg ledig und friedlich in die Hand eines Erzbischof von Mainz kommt und dieser sie für sich und sein Stift wieder aufbauen will (Otto 4073).
Die Eroberung der Burg Blieskastel 1339 durch Erzbischof Balduin von Trier begründet den über drei Jahrhunderte währenden Einfluss Triers auf die Bliesregion. Erzbischof Jakob überließ dann aus Geldnöten die Hälfte der Rechte dem Ritter Friedrich von Lewenstein. Auf seinem Kriegszug gegen Trier überfiel 1522 Franz von Sickingen den Flecken Blieskastel und brannte die kleine Siedlung nieder. Die fortdauernde finanzielle Misere führte 1533 abermals zur Verpfändung Blieskastels, diesmal an den Grafen Philipp II. von Nassau- Saarbrücken. Diese dachten aber nach der Kündigung der Pfandschaft nicht an die Rückgabe des kurtrierischen Amtes Blieskastel mit dem gleichnamigen Ort und mußten 1634 durch den Erzbischof Christoph von Sötern mit Gewalt dazu gezwungen werden.
Der Ort war seit 1660 Mannlehen der Freiherren von der Leyen (Dehio).
Bereits 1661 begannen die Arbeiten am neugeplanten Schloßbau, der an der Stelle der alten Burganlage entstehen sollte. Baumeister war der Kapuzinerfrater Bonitius. Mit der Erbauung des noch erhaltenen "Langen Baues", der sogenannten "Orangerie", schufen die Freiherren von der Leyen das wohl eindrucksvollste Renaissancegebäude in ganz Südwestdeutschland. 1793 wurde Bliskastel von den Franzosen erobert und war seit 1798 Kantonshauptort. 1820 teilweise abgebrochen.

Quelle: Tillmann S. 97: Dehio S. 122; Lehmann, Burgen 5 S.253

Literaturhinweis:
W. Hermann: Die Grafen von Blieskastel. In: Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes 2 (1977), S. 254-261.

Von: (sg)