Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

Kategorie: B, Thüringen Zuletzt aktualisiert: 18.06.2005

Bischofsstein (Stein bei dem Haineck)

ö Eschwege nw bei Lengenfeld unterm Stein

Der alte Bischofsstein lag ca. 600 m nordöstlich des jetzigen gleichnamigen Schlosses, unweit des letzten Eisenbahntunnels vor dem Lengenfelder Viadukt. Die alte Burg könnte auf einer älteren frühgeschichtlichen Anlage errichtet worden sein. Die Burg „beim Nonnenkloster Zell“ wurde Mitte des 12. Jahrhunderts von den Herren von Stein erbaut. Im Jahr 1133 wird Poppo von Stein genannt (Dobenecker Nr. 1286).
Bis Mitte des 13. Jahrhunderts soll die Burg im Besitz der Landgrafen von Thüringen gewesen sein (Wolf-Löffler S. 69). Dann wurde sie anscheinend dem Mainzer Erzbischof zu Lehen aufgetragen, denn zwischen 1251-1259 verlehnte Erzbischof Gerhard I. (1251-1259) eine Hälfte der Burg mit allem Zubehör dem Gottschalk von Plesse (Böhmer/Will 2 S.346 Nr.240). 1282 nutzte Herzog Albrecht von Braunschweig die Situation nach dem Tod Erzbischof Gerhards und nahm den Herren von Plesse ihren Burganteil ab. Erzbischof Werner verlangte ihn zwar zurück, doch Gottschalk von Plesse war nicht in der Lage, Mainz wieder in den Vollbesitz der Burghälfte zu bringen. Vielleicht hat Gottschalk die Burg dem Herzog auch einfach herausgeben, den der Erzbischof exkommunizierte seinen alten Gefolgsmann und belegte ihn mit dem Interdikt. Daraufhin trug Gottschalk dem Erzbischof als Entschädigung für die verlorene halbe Burg nun die Hälfte der Burgherrschaft Ziegenberg zu Lehen auf (Böhmer/Will 2 S.417 Nr.568). Derweilen übergab der Landgraf seine Burghälfte den Herren von Hardenberg. Im Jahr 1298 versprachen Landgraf Dietrich d.J. von Thüringen und Graf Bertold von Henneberg bei der Rückgewinnung des verlorenen Teils von Bischofsstein zu helfen, wenn es dem Mainzer im Gegenzug gelänge, König Albrecht von seinen Ansprüchen auf die Herrschaft über Thüringen abzubringen (Vogt 558).
1326 kam Erzbischof Mathias nicht umhin, die thüringische Hälfte von Burg und Stadt Stein samt Zubehör von den Rittern von Hardenberg zurückzukaufen (Vogt 2761, Otto 3988). Der ErfurterAmtmann Hermann übertrug zwischen 1329-1332 (?) im Auftrag Erzbischof Balduins die Burgen zum Stein und Gleichenstein den Burgmannen Apel von [Ershausen] zum Stein (Steyne) und Bertold von Worbis zu Gleichenstein zur Burghut (Otto 3658). 1336 wird von Krieg vor Burg Stein berichtet. Worum es bei diesem Streit genau ging ist unsicher, die Burg war damals dem Landgraf Friedrich von Thüringen verpfändet gewesen. Im gleichen Jahr (1336) bekunden Fritz von Wangenheim, Wetzel von dem Steine, Otto von Stotternheim, Dietrich, Vogt zu Mühlberg, Johann von Wintzingerode und Apele von Ershausen, dass der Mainzer Stiftsverwalter Erzbischof Balduin von Trier ihnen die mainzischen Burgen zum Steyne und Gottern als Treuhändern überantwortet hat. Sie sicherten zu, die Burgen Landgraf Friedrich erst dann zu übergeben, wenn dieser die mainzischen Gefangenen freigibt und er im Gegenzug die verabredeten 2.000 Mark Silber nicht erhält (Otto 3499). Doch 1336 bestätigt Landgraf Friedrich, er habe die 2.000 Mark erhalten, ihm seien die Burgen Stein und Gottern nur noch für 1000 Mark verpfändet (Otto 3501)
Danach folgen zahlreiche weitere Pfandschaften: 1339 bis 1345 ist die thüringische Hälfte den Edelknechten von Hanstein verpfändet (Otto 4374, 4647, 5291). 1342 dem Ritter Bertold von Worbis und dem Edelknecht Johann von Wintzingerode, seinen Vögten zu Rusteberg (Otto 4855). Ein Achtel der Burg ist bis 1347 den Herren von Gudenhausen verpfändet. Diese Achtel lösen die Pfandherren aus dem Hause Wintzingerode und Worbis aus (Otto 5553). 1348 erpfänden die Hansteiner auch die Herrschaft (Langen)Salza (Otto 5653). Bis 1351 ist die thüringische Hälfte zu einem Viertel Beringer von Schönstedt und seinem Bruder und zu einem weiteren Viertel Reynhard Keudel, Hermann von Ershausen, Apel von Proyße von Wandfrid und Steben von Tastungen verpfändet. Auch diese Hälfte lösen die Herren von Worbis und Wintzingerode aus (Otto 5877, 5912). Die andere Hälfte war 1351 Lehen der Herren von Hanstein, genauso wie die mainzischen Burgen Hanstein, Fritzlar, (Langen)Salza, Harburg und Sababurg (Otto 5921). Die Herren von Worbis verpfänden 1354 dem Reinhard Keudel, mainzischer Lehnsmann, 1/8 der halben winzenburgisch-worbisschen Pfandburg Stein (Vigener 230). Ein Teil der Burg war dem Domkapitel verpfändet und kam 1355 an das Erzstift zurück (Vigener 273). Erzbischof Gerlach löst 1357 Burganteile aus (Vig 841) und verpfändete im gleichen Jahr dem Ritter Hermann von Ershausen 1/8 der Burg (Vigener 897). Das Sechszehntel, das die Herren von Uslar inne hatten, löste Erzbischof Gerlach 1359 aus und verpfändet Andreas von Binsfort ein mainzisches Achtel und das uslarische Sechszehntel samt Zubehör (Vigener 1183). 1363 war Bischofsstein wieder Mittelpunkt einer Fehde. Mannen des hessischen Landgrafen waren 1363 in Burg Stein eingefallen und hatten Burgmannen und Bürger mißhandelt, erzbischöfliche Amtleute und Bürger gefangengesetzt, die Bevölkerung geschatzt und schließlich die Stadt in Brand gesetzt (Vig 1660). Hartmann Lange übergibt 1364 dem Edelknecht Andreas von Binsfort seinen Lehnsanteil an Burg und Herrschaft Stein und bittet den Erzbischof diesen damit zu belehnen (Vigener 1770). Die Bürger von Mühlhausen bedrängen 1364 die von Stein (Vigener 1894). 1365 erhält Hermann von Ershausen zu seinem Pfandachtel an der Burg Stein und einem weiteren Anteil nun noch einen weiteren Anteil (Vigener 2036).
Um 1367 verwüsteten braunschweigische Truppen die Umgebung der Burg (Vigener 2358, 2759). Die Herren von Ershausen geben 1367 die Oberburg Stein und alle anderen Bauten und Sitze an den Erzbischof zurück. Dafür erhalten sie die Unterburg zu Burglehen (Vigener 2283). 1381 bekam Siegfried von Bültzingslöwen das halbe Amt Stein von Erzbischof Gerlach zu Pfand für ein Darlehen, welches Kurfürst Daniel erst 1573 zurückzahlte. Seit 1400 soll auch die hennebergische Hälfte, somit also die ganze Burg in Mainzer Besitz gewesen sein (Wolf-Loeffler 132). Seit dem 15. Jahrhundert wird die Burg Bischofsstein (seit 1426 so genannt) Mittelpunkt eines kurmainzischen Amtsbezirks, zu dem 16 Dörfer gehörten. Sehr oft wurde die Funktion des Amtsmannes (Amtsvogts) von Adligen wahrgenommen, so 1446 und 1496 von den Herren von Hanstein.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Burg schwere Beschädigung und verfiel mehr und mehr. so dass 1747 das jetzige Schloss aus den Steinen der alten Burg und der Stadt zum Stein (eine kleine Siedlung der Burgbediensteten) erbaut wurde. Baumeister des im Barockstil errichteten Gebäudes war Johann Christoph Heinemann (16954772) aus Dingelstädt, ein über das Eichsfeld hinaus bekannter Architekt und Baumeister.

Quelle: Grathoff, Erzbischofsburgen; Wolf-Löffler; Wintzingerode-Knorr 113ff.,116,132, 145, 285,323,327.

Literaturhinweis:
Anton Fick: Schloß Bischofsstein im Eichsfelde. T.1: Bis zum Jahr 1360. Marburg/Witzenhausen 1960.
Anton Fick: Beiträge zur Geschichte des kurmainzischen Amtes Bischofsstein im Eichsfeld. Duderstadt 1957.
R. Hillmann: Aus den Blättern eichsfeldischer Geschichte. In: Aus der Heimat (Heiligenstadt) Nr.24, 1902/1903;

Von: (sg)