Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

2. Der Aufstieg des Hauses Saarbrücken

Burggraben und Tor

Der territoriale Aufstieg des Hauses Saarbrücken erhielt den entscheidenden Impuls, als Heinrich IV. zwischen 1065 und 1080, vermutlich aber im Zusammenhang mit der gegen ihn gerichteten Oppositionsbewegung Mitte der 70er Jahre, die Grafschaft im Saargau aus den Händen des Volmar (11) an Sigebert I. übertrug.(12) Der Übergang der Grafschaft bedeutete keine Enthebung Volmars, denn kurz vorher - im Metzer Bischofsstreit - stand er noch ganz auf der Seite des Königs. (13) Vielmehr zeigt sich das Bestreben des Königs, den ihm geeignet erscheinenden Dynasten Sigebert zum Wohle der salischen Interessen sozial und politisch aufzuwerten und materiell mit entsprechendem Amtsgut auszustatten. (14) Nach der Übertragung der Grafschaft wird auch das Metzer Kirchenlehen,(15) die Burg in Saarbrücken, in die Verfügungsgewalt des Grafen Sigebert oder seiner Nachfolger gelangt sein.(16) Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt. Anlass des Übergangs könnte die Parteinahme Bischof Herrmanns von Metz für Papst Gregor VII. und seine Vertreibung aus dem Amt 1078 durch Heinrich IV. gewesen sein.(17) Die Burg könnte aber auch in der Amtszeit des kaiserlichen Gegenbischofs Bruno von Calw, der nach dem Tode Bischof Adalberos 1090 auf den Bischofsstuhl gelangte, Metz verloren gegangen sein. Die Verschleuderung von Kirchengut, die Bischof Bruno vorgeworfen wurde,(18) könnte sich möglicherweise auch auf die Burg Saarbrücken bezogen haben. Vielleicht trifft es sogar zu, dass eine Schwester Brunos Graf Sigebert geheiratet und der Bischof seinen Schwager zwischen 1085 und 1088 mit der Burg Saarbrücken, dem Ort Völklingen und den Wäldern links und rechts der Saar belehnt und ihm dazu die Vogtei über St. Arnual und Neumünster übertragen hatte.(19) Gegen eine Belehnung des Sigebert und für die Annahme eines sich allmählich vollziehenden okkupatorischen Aktes seitens seiner Familie spricht eine andere Überlegung. In der Urkunde von 1080 wird Sigebert ohne Herkunftsbezeichnung einfach als "comes" benannt. Den 'Nachnamen' Saarbrücken wird erstmals sein Sohn Friedrich im Jahre 1123 führen.(20) Ende des 11. Jahrhunderts war die Benennung des Adels nach ihrem zentralen Burgsitz nichts Ungewöhnliches mehr. Da Graf Sigebert dieser Entwicklung nicht folgte, muss man die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Burg in Saarbrücken entweder noch nicht im Besitz der Familie war (21) oder dass sie um 1100 noch nicht ihren Lebensmittelpunkt bildete. Somit gehörte Graf Sigebert wohl noch zu jenen Adeligen, die im Rahmen einer Reiseherrschaft auf wechselnde Stützpunkte angewiesen waren. Nach der Übertragung der Saargrafschaft und dem damit verbundenem Gebietszuwachs im Blies- und Saargau auf Kosten der Metzer Kirche,(22) begannen die Saarbrücker - noch ganz im Einklang mit den Interessen des salischen Königtums - ihre territorialen Bestrebungen weiter nach Osten auszudehnen.