Zu sehen ist die Burg Sooneck
Burgenlexikon - Dr. Stefan Grathoff

1. Das Steinenschloss. Eine Burg der Grafen von Saarbrücken

Tor mit Zugbrücke

Die Geschichte des Steinenschlosses bei Thaleischweiler-Fröschen liegt weitgehend im Dunkeln. Keine schriftliche Überlieferung verrät, wann die Burg entstand, wer sie erbaute, und warum sie offensichtlich schon bald nach ihrer Gründung wieder in Trümmern versank.(1) Die Unkenntnis über das Schicksal der eindrucksvollen Ruine drückt sich schon darin aus, dass sogar der ursprüngliche Name in Vergessenheit geraten ist. (2) Die heutige Bezeichnung Steinenschloss rührt von einer ehemaligen Siedlung "Stegen" oder "Steigen" her, die sich im 13. Jahrhundert unterhalb des Berges befand, 1564 aber bereits Wüstung war.
Die Datierung der vorhandenen Mauern und des im Burggelände ergrabenen Fundmaterials (Keramik) hat ergeben, dass der Bau der einst mächtigen Anlage an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert erfolgt sein muss. Für sich gesehen ergibt dieser Zeitpunkt noch keinen Anhaltspunkt dafür, wer das Steinenschloss erbaut haben könnte. Bezieht man aber eine weitere Zeitvorgabe der Ausgräber in die Überlegungen mit ein, wonach das Steinenschloss in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bereits wieder zerstört worden ist,(3) so bietet dieser mutmaßliche Zeitpunkt der Zerstörung einen Ansatzpunkt, die Entstehungsgeschichte der Burg zu rekonstruieren.
Zum Jahre 1168 berichten nämlich die Annalen des Klosters Disibodenberg, die Burg Saarbrücken sei zusammen mit drei anderen - nicht genannten - Burgen des Grafen Simon I. von Saarbrücken auf Befehl des Kaisers gebrochen worden.(4) Die räumliche und zeitliche Nähe dieser Nachricht zu dem Befund der Mittelalter-Archäologen haben in der Forschung allgemein zu der Ansicht geführt, dass eine der drei zerstörten saarbrückischen Burgen das Steinenschloss gewesen sein könnte.(5) Neben den Saarbrückern (6) sind auch andere Personen mit dem Bau des Steinenschlosses in Verbindung gebracht worden. Während Stein (7) das Steinenschloss zu den von Herzog Friedrich von Schwaben im Verlauf seines berühmten Burgenfeldzuges von 1116 gegründeten Burgen rechnet, hält Biundo die Burg für eine Gründung der Emichonen, der Vorläufer der Grafen von Leiningen.(8)
Das Steinenschloss lag im Mittelalter in jenem durch weitverzweigte Besitzverhältnisse gekennzeichnetem Raum, an den sich nach Norden anschließend im Laufe des 12. Jahrhunderts das Reichsland Lautern herausbildete. Im Rahmen der herrschaftspolitischen Bemühungen der Saarbrücker im Süden kam dem Steinenschloss ein hoher strategischer Stellenwert zu, da es im Bereich der Straße lag, die durch das Queichtal in den besitzrechtlich so umkämpften Bezirk Annweilers und des Trifels führte. Diesem Bereich kam eine Schlüsselstellung zu, da hier bischöflich-speyerische, Straßburger und salisch-königliche Rechte den Saarbrückern den Zugang zum Rhein und in die Stadt Speyer versperrten. Zudem lag die Burg in einem Schnittpunkt der Kolonisationsbewegungen, die vom Westen her durch das Kloster Hornbach, vom Osten her durch das Hochstift Speyer in den um 1100 noch weitgehend siedlungsarmen und noch stark bewaldeten nachmaligen Pfälzer Wald vorgetragen wurden. Die damit verbundene Rodungsbewegung wurde durch die Klöster Limburg und St. Lambrecht, die 1065 in den Besitz des Bistums Speyer kamen, noch weiter verstärkt. (9) Die Verfügungsgewalt über das Steinenschloss bot dabei einen gesicherten Bezugspunkt und die Möglichkeit, Einfluss auf die Ost-Weststraßen zu nehmen, die die Wege im Rheintal und am Ostrand des Pfälzer Waldes mit der alten Königsstraße Lautern-Metz-Paris verbanden.(10)
Die Entwicklung der politischen Landschaft an der Südseite des sich formenden Reichslandes Kaiserslautern und die Rolle, die die Grafen aus dem Hause Saarbrücken dabei spielen sollten, haben die 'Lebensdaten' des Steinenschlosses bestimmt.