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1. Einführung
2. Weltliche Herrschaft
3. Umfang der Rebflächen
4. Art der Weineinkünfte
5. Das Personal
6. Weinabsatz und Handel
7. Bedeutung des Weins
8. Zusammenfassung
9. Exkurs: Bauernkrieg
10. Tabellen
11. Abkürzungen
12. Fußnoten
13. Literaturverzeichnis
3. Die Weinwirtschaft: Umfang der Rebflächen
Die Geschichte des elsässischen Rebbaus und seine lange Tradition sind in der Literatur ausgiebig gewürdigt worden (FN 72). Die Abtei Andlau reiht sich nahtlos in die Reihe der seit dem 9. Jahrhundert mit Weinbau befaßten geistlichen Institutionen ein. Ihr war der Weinbau dank der frühen Besitzübertragungen im Elsaß, in den Vogesen, im Breisgau und im Schwarzwald geradezu in die Wiege gelegt worden (FN 73). Obwohl nur bruchstückhafte Nachrichten über den frühen Weinbau in einzelnen Orten vorliegen (FN 74), wird man seine Bedeutung wohl nicht überschätzen dürfen (FN 75). In der Hauptsache diente der produzierte Wein wohl dazu, den Eigenbedarf der Abteifrauen, der Gesindetafel sowie des Gottesdienstes zu decken (FN 76). Der Aufschwung im Weinbau, der sich in der Zunahme der Rebfläche seit dem 12. Jahrhundert manifestiert, läßt sich aufgrund der ungünstigen Quellenlage im einzelnen für die Abtei Andlau nicht nachvollziehen. In einem undatierten, aber in das 14. Jahrhundert einzureihendem Zinsverzeichnis heißt es einmal: it(em) ein matte(n) ist zu rebe(n) gemachet [...] zu gute(r) stege (FN 77). Dies ist der einzige Beleg für die Anlage eines neuen Weinberges in dieser Zeit. Es ist fraglich, ob die Abtei an der Vergrößerung der Rebfläche, die im Elsaß im 14. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung fand (FN 78), in bedeutender Weise partizipierte. Aufgrund eines allgemeinen finanziellen Engpasses mußte sich die Abtei von ihren jenseits des Rheines gelegenen, uralten Besitzungen trennen (FN 79). Inwieweit von dieser Schrumpfung des Grundbesitzes (FN 80) Weinanbauflächen betroffen waren und somit als Anzeichen einer Rebflächenverkleinerung zu deuten wären (FN 81), läßt sich nicht sagen, da über die zweifellos vorhandenen Weinbaugebiete der Abtei im rechtsrheinischen Gebiet so gut wie nichts bekannt ist. Auch die allgemein im Elsaß konstatierte Schrumpfung des Rebareals im 16. Jahrhundert vor allem im Sundgau und Nordelsaß, von der allerdings die Weinbauzone zwischen Marlenheim und Thann weniger betroffen war (FN 82), macht sich im Bereich der Abtei Andlau nur schwach bemerkbar. Die vom Andlauer Schaffner vorgeschlagene Veräußerung der wenig lukrativen und wirtschaftlich uninteressanten Pachtflächen (FN 83) deutet aber auf Verkleinerungstendenzen hin (FN 84). Nicht zuletzt kann die neben anderen Orten auch in Andlau feststellbare Änderung (FN 85) bisher gängiger Maße (FN 86), auf eine sich verschlechternde Ertragslage in der zweiten Jahrhunderthälfte und auf einen damit verbundenen Rückgang der Gesamtrebfläche hinweisen. In der Gemarkung Andlau und im Andlautal war die Abtei Andlau größter Weinbergbesitzer. Daneben verfügten aber auch einige Straßburger Stiftsherren (FN 87), das Kloster St. Agnes in Straßburg (FN 88LINK>), die Herren von Andlau und der Deutsche Orden (FN FN 89) über Weinareale (FN 90). Seit dem 11. Jahrhundert werden Weinbergslagen in Andlau genannt. Sie dienten grundsätzlich zur Kennzeichnung der Lage der betreffenden Rebfläche und weisen nicht auf eine beginnende Auffassung von lagenbezogener Qualität hin (FN 91). Als früheste Lage erscheint 1064 der Kastelberg (FN 92). Ihm folgt 1287 der Lerchenberg (FN 93). Seit dem 14. Jahrhundert erscheinen dann weitere Flurnamen, in den Weinbau bezeugt ist und die an dieser Stelle aufgelistet werden sollen:
- Bergheim (FN 94)
- zu nuwerute (FN 95)
- in dem bieferbach bzw. Bien(er)baches burne zu den obersten hursten (FN 96)
- zu guter stege (FN 97)
- Pflenzer (FN 98)
- Fleischbank (FN 99)
- Rehe(n)bühl (FN 100)
- Burg Krax (FN 101)
- ste. Michels burne (FN 102)
- das Büchselin (FN 103)
- Steinberg (FN 104)
- Lute(n)berge (FN 105)
- Vogelsang (FN 106)
- bi dem Malotz huse (Siechenhaus) (FN 107)
- Walweg (FN 108)
- Mönchberg (FN 109)
- Wibelsberg (FN 110)
- Münsterbrücke (FN 111)
- Wilmutstal (FN 112)
- Negelins Hof (FN 113)
Im Reben- und Zinsweinverzeichnis der Abtei aus dem Jahr 1575 werden weitere Lagen genannt (FN 114):
- im alten hoff inn dem Ossenthal (?)
- Andlautal im Premthal (?)
- Apfelspach
- Rebberg
- Baulenberg, im Booß (?)
- bey Rüemans burn Brandhof (inn dem Brandhoff)
- Sägemühle (segemülin)
- im brentz
- Schelspach (Schellspach)
- inn der Bych Schleif (schleuffen,schleiff, schleiffen)
- Duttenberg (im Duttenberg, am Dutenberg)
- Bychoven bann im schweiching
- im erbengeim (?)
- in der steigen
- bey fleckenfelß
- im Steinmant
- inn den fröven
- im Vorkenbühel (?)
- Küsterhof (im Küsterhoff, Kusterhoff)
- Becken bann
- inn dem Vorst Kuttelberg (am Kuttelberg, Kutelberg)
- Wiebelsbach (im Wybelspach)
- Gesen (gesen, gessen)
- Zwischenweg (Zwyschenweg)
Die zunehmende Zahl der Flurnamen wird zweifellos durch die günstige Überlieferung des 16. Jahrhunderts gefördert. Da die Flurnamen auch im 16. Jahrhundert durchweg die Lage der Weinäcker (FN 115) beschreiben, könnte man aus ihrer Zunahme eventuell auch schließen, daß einzelne Rebflächen parzelliert wurden und sich deshalb neue Flurbezeichnungen entwickelten. Belege für diese Mußtmaßung lassen sich freilich nicht beibringen. Der ersten erhaltenen Jahresabrechnung für das Wirtschaftsjahr 1500/1501 zufolge (FN 116) verfügte die Abtei über weitere im Eigenbau bewirtschaftete bzw. zu Pacht und Lehen vergebene Weinäcker in (Mittel-)Bergheim, Barr, Heiligenstein (FN 117), Eichhofen, Zell und Nothalten (FN 118), Blienschweiler (FN 119), Ittersweiler (FN 120) , Reichsfeld (FN 121), Bernhardsweiler, Scherweiler und Kintzheim. Andere Weinäcker, die Barth erwähnt, etwa in Dambach (FN 122), Börsch (FN 123), Gundolsheim und Orschweiler (FN 124) tauchen in der Abrechnung des Jahres 1500/1501 allerdings nicht auf. Auch Walff, wo sich nach Barth besonders viele Andlauer Reben befunden haben (FN 125), ist 1500/1501 noch nicht genannt. Die Weinerträge der aufgeführten Orte wurden aus dem Eigenbau, den verpachteten und verlehnten Weinäckern sowie den Einnahmen aus dem Zehnt erzielt. In Tabelle 1 sind die gesamten Weinerträge, soweit sie aus den Rechnungsbüchern hervorgehen, zusammengestellt. Die Aufstellung zeigt, daß die Erträge im Laufe des Jahrhunderts deutlich abnahmen. Welche Gründe für den zum Teil sprunghaften Rückgang der Weinmengen verantwortlich gemacht werden können und welche Auswirkungen dies auf die Wirtschaftsführung der Abtei hatte, soll im Folgenden untersucht werden. Deshalb gilt es zunächst, die Struktur der andlauischen Weinwirtschaft etwas näher zu betrachten.

